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Windpark Müden/Aller GmbH – Fehlbeträge steigen, Eigenkapital auf Null, Finanzierung komplett über Gesellschafter

geralt (CC0), Pixabay

Die Windpark Müden/Aller GmbH hat ihren Jahresabschluss für 2023 vorgelegt – und aus Anlegersicht gibt dieser wenig Anlass zur Entwarnung. Zwar wurde das Anlagevermögen im Geschäftsjahr um über 60 % auf rund 428.000 Euro gesteigert, was auf Investitionstätigkeit und Projektfortschritt hinweist. Doch der Blick auf die Passivseite offenbart tiefere strukturelle Schwächen: Das Eigenkapital ist vollständig aufgebraucht, der Bilanzverlust summiert sich auf 197.589 Euro – 25.000 Euro mehr als das gesamte gezeichnete Kapital. Der sogenannte „nicht durch Eigenkapital gedeckte Fehlbetrag“ ist mit 172.589 Euro bilanziell deutlich sichtbar.

Anhaltender Verlustbetrieb ohne Rücklagenbildung

Die Verlustvorträge steigen kontinuierlich: 2022 lag der Vorjahresverlust bei rund 132.000 Euro, 2023 nun bei 158.595 Euro – der Fehlbetrag steigt also Jahr für Jahr weiter an. Eine substanzielle Trendumkehr ist anhand der Bilanz nicht erkennbar. Zwar wurde mehr investiert, doch ein operativer Turnaround oder zumindest ein Ausgleich durch Eigenkapitalzuführungen bleibt aus. Die GmbH existiert faktisch im Zustand einer bilanziellen Überschuldung, wobei der Verlust durch Gesellschafterdarlehen aufgefangen wird.

Gesellschafter sichern Liquidität – aber auf wackliger Basis

Die Passivseite zeigt, dass nahezu die gesamten Verbindlichkeiten – 692.000 Euro von insgesamt 698.000 Euro – auf Gesellschafterdarlehen entfallen. Die kurzfristige Fälligkeit aller Verbindlichkeiten ist besonders brisant: Es bestehen keine langfristigen Darlehen mehr, was auf eine baldige Entscheidung über Fortbestand, Umstrukturierung oder externe Refinanzierung hindeutet. Ob und in welcher Form die Gesellschafter ihre Darlehen verlängern oder in Eigenkapital umwandeln, ist unklar – für außenstehende Investoren bleibt dies ein erhebliches Risiko.

Keine operative Rückführung erkennbar

Die Forderungen und Guthaben steigen moderat, was auf eine gewisse Betriebsaktivität hinweist. Allerdings reichen diese Mittel (97.000 Euro Umlaufvermögen) bei weitem nicht aus, um die kurzfristigen Verbindlichkeiten zu bedienen. Eine klare Strategie zur Rückführung der Gesellschafterdarlehen oder zur bilanziellen Sanierung lässt sich dem Abschluss nicht entnehmen. Auch operative Erträge oder Erlösquellen werden nicht konkret angegeben, was Transparenz und Einschätzung weiter erschwert.

Fazit aus Anlegersicht

Die Windpark Müden/Aller GmbH befindet sich bilanziell in einer angespannten Lage:

Kein Eigenkapital mehr vorhanden, Eigenmittel sind vollständig aufgezehrt

Verlustentwicklung setzt sich fort, keine Trendwende erkennbar

Komplette Finanzierung über Gesellschafter, jedoch ohne langfristige Bindung

Kurzfristiger Liquiditätsdruck aufgrund fehlender Fristigkeit der Darlehen

Investitionsfortschritt vorhanden, aber ohne klaren Deckungsbeitrag erkennbar

Aus Anlegersicht besteht derzeit erheblicher Sanierungsbedarf. Der Fortbestand der Gesellschaft scheint vollständig von der Zahlungsbereitschaft und Geduld der Gesellschafter abhängig. Für Außenstehende besteht ein hohes Risiko – sowohl aufgrund der fehlenden Eigenmittel als auch der nicht erkennbaren operativen Ertragsbasis. Es wird dringend empfohlen, eine klare Strategie zur bilanziellen Stabilisierung sowie zur Verbesserung der Ertragslage zu kommunizieren, bevor neue Investoren angesprochen werden.

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