Wie Trumps neue Handelspolitik nicht nur Jobs gefährdet, sondern auch Kanadas liebstes Sportidol ins Kreuzfeuer bringt.
Brantford, Ontario – eigentlich ein ruhiger, industriell geprägter Ort, bekannt für seine Eishockeyvergangenheit, seine Produktion – und für eine Legende: Wayne Gretzky, der „Great One“, stammt von hier. Doch seit US-Präsident Donald Trump mit neuen Strafzöllen gegen Kanada droht, herrscht in Brantford alles andere als Ruhe. Denn nicht nur die Wirtschaft ist betroffen – sondern auch der Ruf eines Nationalhelden.
„Bestrafung für gute Nachbarschaft“
Graeme Roustan, Eigentümer von Roustan Hockey, einem der letzten nordamerikanischen Hersteller traditioneller Holz-Eishockeyschläger, versteht die Welt nicht mehr.
„Unser Unternehmen handelt mit den USA, seit es Kanada überhaupt gibt – und jetzt das? Es ist einfach beleidigend.“
Roustan betreibt seine Fabrik in Brantford – die Stadt, durch die nicht zufällig der Wayne-Gretzky-Parkway führt. Seine Schläger gehen unter anderem an das berühmte „Miracle on Ice“-Camp von Team USA – doch jetzt drängt die Zeit: Wenn die Lieferung nicht rechtzeitig über die Grenze kommt, drohen 25 % Zoll.
Die US-Strafzölle, die ab dem 2. April in Kraft treten sollen, treffen Kanada hart – gerade Städte wie Brantford, wo viele Unternehmen bis zu 80 % ihrer Waren in die USA exportieren. Die lokalen Betriebe kaufen zudem einen Großteil ihrer Rohstoffe aus den USA. Der wirtschaftliche Schaden dürfte immens werden.
„Das ist kein Handelskrieg – das ist wirtschaftlicher Selbstmord“, sagt Bürgermeister Kevin Davis.
Er geht davon aus, dass viele Unternehmen in der Region Produktion drosseln oder gar schließen müssen. Eine Neuausrichtung der Industrie könne Jahre dauern.
Und mitten drin: der große Wayne Gretzky
Doch es ist nicht nur die Wirtschaft, die in Brantford unter Spannung steht – sondern auch das nationale Selbstbild. Wayne Gretzky, Kanadas wohl größter Sportheld, gerät ins Kreuzfeuer – nicht wegen seiner sportlichen Leistungen, sondern wegen seiner Nähe zu Donald Trump.
Fotos mit MAGA-Kappe, ein Besuch bei Trumps Inauguration, sogar Trumps Vorschlag, Gretzky zum Premierminister oder „Gouverneur Kanadas“ zu machen, haben bei vielen Kanadiern für Unmut gesorgt. Online wird Gretzky teils als „Verräter“ oder „MAGA-Fan“ bezeichnet. Eine Statue in Edmonton – Gretzkys NHL-Erfolgsstadt – wurde sogar beschmiert.
Roustan, ein Freund Gretzkys, ist fassungslos:
„Das ist Rufmord an einem Mann, der so viel für Kanada getan hat.“
Auch Brantford selbst ist gespalten. Manche wünschen sich, Gretzky würde öffentlich auf Trump einwirken. Andere sagen, er sei längst Amerikaner – und kein Teil der Stadt mehr.
Eine ganze Stadt im Ausnahmezustand
Brantford, mit seinen Lagerhallen, Werkshallen und Produktionsstätten, war Jahrzehnte lang Symbol für die enge wirtschaftliche Verflechtung zwischen Kanada und den USA. Jetzt droht genau das zum Verhängnis zu werden. Besonders betroffen: Lebensmittelverarbeitung, Autozulieferer, Pharma und Kunststoffindustrie.
In lokalen Läden fragen Kunden schon jetzt gezielt nach kanadischen Produkten. US-Waren – vom Salat bis zum Wein – verschwinden zunehmend aus den Regalen.
„Niemand will mehr US-Romaine auf dem Teller“, sagt Ines Kowal vom Brantforder Familienbetrieb Uniqpol, der gerade erst in eine Expansion investiert hat.
Auch dort blicken alle mit Sorge auf den 2. April – viele Kunden kaufen weniger, selbst bei Grundnahrungsmitteln.
„Irgendwann müssen wir die höheren Kosten weitergeben“, sagt Kowal, „und das trifft dann die Familienbudgets.“
„Wir sind nett – bis wir es nicht mehr sind.“
Bürgermeister Kevin Davis bringt es auf den Punkt:
„Wenn ihr einen Handelskrieg wollt, dann kriegt ihr ihn. Aber es ist ein völlig sinnloser Krieg.“
Und tatsächlich: In Brantford, der Heimatstadt von Wayne Gretzky, ist man stolz – auf seine Wurzeln, auf seine Arbeiter, auf seine Unternehmen. Doch dieser Stolz wandelt sich in Enttäuschung – und in Entschlossenheit.
Kanada rückt zusammen. Der Gretzky-Schock wirkt als Weckruf. Der neue Fokus lautet: Lokal kaufen. Kanada stärken. Amerikanische Produkte meiden.
Fazit: Wenn der „Great One“ zum Streitpunkt wird
Was als Wirtschaftspolitik begann, ist längst ein kultureller Bruch. Wayne Gretzky, der ewige Held, steht nun symbolisch zwischen zwei Welten – zwischen Fanliebe und politischer Freundschaft, zwischen Kanada und Trumps Amerika.
Und Brantford? Wird kämpfen – mit Eishockeystöcken, Herzblut und dem festen Glauben an Fairness. Denn eins ist sicher:
Kanada ist nett – bis es das nicht mehr ist.