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Synchronsprecher schlagen Alarm: Künstliche Intelligenz bedroht ihre Existenz

JuliusH (CC0), Pixabay

In einem gemeinsam veröffentlichten Video richten namhafte deutsche Synchronsprecherinnen und -sprecher einen deutlichen Appell an die Öffentlichkeit – und an die Politik: Die zunehmende Verbreitung künstlich erzeugter Stimmen durch Künstliche Intelligenz (KI) bedroht ihre berufliche Existenz und die künstlerische Integrität ihrer Arbeit. Initiiert vom Verband Deutscher Sprecher:innen e.V. (VDS), will die Aktion auf eine Entwicklung aufmerksam machen, die nach Ansicht der Branche weitreichende Folgen für Kunst, Kultur und Arbeitswelt haben könnte.

„Es geht nicht nur um Arbeitsplätze, sondern um Identität, Authentizität und emotionale Qualität“, erklärt der VDS. Mit wachsender technischer Präzision können Stimmen heute per Algorithmus nachgebildet, moduliert und automatisiert eingesetzt werden – in Filmen, Hörbüchern, Werbespots oder Games. Doch die Technologie ersetzt keine menschliche Interpretation, betonen die Sprecherinnen und Sprecher. Was KI-Stimmen an technischer Sauberkeit bieten, fehle ihnen an emotionaler Tiefe, Empathie, kulturellem Kontext und stimmlicher Nuancierung.

Gerade in Deutschland, wo Synchronisation ein wichtiger Bestandteil der Medienkultur ist, befürchtet die Branche einen Verlust an Qualität und Vielfalt. „Synchronarbeit ist nicht nur das bloße Nachsprechen eines Textes – sie ist Schauspiel mit der Stimme, sie ist Übersetzung von Emotionen und kulturellen Feinheiten“, heißt es im Video. Wenn diese komplexe Kunst durch automatisierte Lösungen ersetzt werde, drohe ein „Verflachen der Inhalte“ und eine Entfremdung vom Original.

Besonders kritisch sehen die Sprecherinnen und Sprecher auch die rechtlichen Grauzonen, in denen KI-Stimmen derzeit entstehen. Oft würden Stimmproben ohne Zustimmung verwendet oder aus öffentlich zugänglichem Material extrahiert, um daraus synthetische Stimmen zu entwickeln. Das verletze nicht nur Persönlichkeitsrechte, sondern stelle auch eine eklatante Umgehung von Urheber- und Leistungsschutzrechten dar. Der VDS fordert deshalb dringend eine gesetzliche Klarstellung: Stimmen seien Ausdruck der Persönlichkeit und müssten genauso geschützt werden wie Bilder oder Texte.

Gefordert werden klare Regeln und transparente Kennzeichnungspflichten für den Einsatz von KI-generierten Stimmen – sowohl in kommerziellen als auch in redaktionellen Formaten. Auch müssten Synchronsprecher aktiv in die Entwicklungen einbezogen werden, etwa über Lizenzmodelle oder Beteiligungen an synthetisch nachgebildeten Stimmen, die auf ihrer Arbeit beruhen.

Die Aktion stößt in der Branche auf breite Unterstützung. Viele prominente Stimmen aus Film und Fernsehen haben sich bereits öffentlich solidarisiert. Gleichzeitig richtet sich der Appell auch an Konsumentinnen und Konsumenten: „Was wir sehen und hören, prägt unsere Wahrnehmung. Wenn das, was wir hören, künstlich ist, ohne dass wir es wissen, verlieren wir ein Stück Wahrheit“, so der Tenor.

Der VDS macht deutlich: Es geht nicht um Technikfeindlichkeit – im Gegenteil. Viele Sprecherinnen und Sprecher nutzen selbst digitale Tools zur Bearbeitung ihrer Aufnahmen. Aber die Grenze sei dort erreicht, wo menschliche Ausdruckskraft durch standardisierte Algorithmen ersetzt werde, allein aus Effizienzgründen.

Ob der politische und gesellschaftliche Diskurs die notwendige Sensibilität für dieses Thema entwickeln wird, bleibt abzuwarten. Doch eines ist klar: Die Stimmen hinter den Stimmen wollen gehört werden – und sie melden sich lautstark zu Wort.

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