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Senioren-Organisation warnt vor digitaler Ausgrenzung älterer Menschen

geralt (CC0), Pixabay

Zum Auftakt des 14. Deutschen Seniorentags in Mannheim hat die Bundesarbeitsgemeinschaft der Senioren-Organisationen (BAGSO) eindringlich vor einer schleichenden Ausgrenzung älterer Menschen durch die fortschreitende Digitalisierung gewarnt. Die Vorsitzende der BAGSO, Regina Görner, sieht insbesondere die Gefahr, dass Menschen jenseits der 60 zunehmend von zentralen gesellschaftlichen Bereichen ausgeschlossen werden – nicht, weil sie dazu nicht mehr in der Lage wären, sondern weil viele Prozesse nur noch digital angeboten werden.

„Ältere Menschen haben jahrzehntelang ohne Smartphone, Onlinebanking oder QR-Codes ihren Alltag gemeistert. Heute begegnen sie im Supermarkt, bei der Bahn, in Behörden oder beim Arztbesuch immer häufiger Hürden, die ihnen signalisieren: Du gehörst hier nicht mehr dazu“, sagte Görner. Es gehe dabei nicht um Technikfeindlichkeit, sondern um Teilhabe. Viele Seniorinnen und Senioren empfänden es als entwürdigend, wenn ihre Lebensleistung und ihr Erfahrungswissen angesichts der digitalen Umstellung kaum noch Beachtung fänden.

Die BAGSO fordert deshalb nicht nur mehr Geduld und gezielte Bildungsangebote für ältere Menschen, sondern vor allem den Erhalt analoger Zugänge zu wichtigen Dienstleistungen. Gleichzeitig spricht sich Görner für einen stärkeren rechtlichen Schutz vor Altersdiskriminierung aus. „Wir brauchen ein klares Bekenntnis im Grundgesetz, dass niemand aufgrund seines Alters benachteiligt werden darf – so wie es für Geschlecht, Herkunft oder Religion längst gilt.“

Hintergrund dieser Forderungen ist die zunehmende Praxis öffentlicher und privater Dienstleister, Leistungen ausschließlich oder bevorzugt digital anzubieten. Vom papierlosen Ticketkauf bis zur Online-Terminvergabe bei Ämtern – wer nicht digital kompetent ist oder über die entsprechenden Geräte verfügt, hat oft das Nachsehen. Laut Studien fühlen sich viele ältere Menschen dabei nicht nur technisch überfordert, sondern auch gesellschaftlich abgehängt.

Der Deutsche Seniorentag, der vom 2. bis 4. April im Congress Center Rosengarten in Mannheim stattfindet, steht daher unter dem Motto „Worauf es ankommt“. Mehr als 180 Aussteller und über 15.000 Besucherinnen und Besucher aus ganz Deutschland diskutieren dort über Themen wie Gesundheit, Pflege, Wohnen, gesellschaftliche Teilhabe – und eben auch die Chancen und Risiken der Digitalisierung für ältere Generationen. Organisationen wie die BaFin, Verbraucherzentralen, Pflegekassen und Ehrenamtsinitiativen sind mit Informationsständen und Vorträgen vertreten.

Für Regina Görner steht fest: Der digitale Wandel darf nicht zur sozialen Schranke werden. Er müsse inklusiv gedacht und gestaltet sein – für alle Generationen.

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