Wall Street kann es kaum fassen, Anleger feiern, und irgendwo lächelt Donald Trump in einen Spiegel.
New York – Es ist ein Wunder! Und zwar nicht das biblische vom brennenden Dornbusch, sondern ein wirtschaftliches: Der konservative US-Sender Newsmax, bislang vor allem bekannt als Fox News’ kleiner, lauterer Cousin mit Aluhut, hat einen Börsengang hingelegt, der sich gewaschen hat.
10 Dollar pro Aktie? Kindergeburtstag. 233 Dollar? Jetzt wird’s patriotisch!
Innerhalb von zwei Tagen katapultierte sich Newsmax mit Hilfe tausender Kleinanleger – und vermutlich eines göttlichen Eingreifens von Ronald Reagans Geist – auf ein Börsenniveau, das selbst die erfahrensten Broker zum Googeln brachte: „Was ist Newsmax und warum sind wir alle reich?“
Ein Sender, zwei Geschichten: Die Mär vom Medienopfer
CEO Chris Ruddy, frischgebackener Papiermilliardär und selbsternannter Robin Hood des Kabelfernsehens, jubelte im Sender:
„Die Amerikaner haben gegen das Medien-Establishment gewählt – und für uns! Für Wahrheit! Für… niedrig aufgelöste Studiokulissen mit viel Patriotismus!“
Dass Newsmax im Jahr 2024 satte 72 Millionen Dollar Verlust gemacht hat, ist da natürlich nur ein Schönheitsfehler – oder, wie Ruddy es vermutlich nennt: „Investition in mediale Glaubwürdigkeit.“ Und dass zwei Klagen wegen Verleumdung mit Schadenssummen jenseits der Milliardengrenze im Raum stehen? Pillepalle. Für echte Freedom-Fighter sind das Empörungsabos.
Dominion? Smartmatic? Lächerlich!
Zugegeben: Die 40-Millionen-Dollar-Einigung mit Smartmatic hat ein bisschen wehgetan. Aber keine Sorge – nur die Hälfte wurde bezahlt. Die andere wird per Ratenzahlung geleistet, vermutlich mit patriotisch bedruckten Sammelkarten von Trump oder Live-Schaltungen zur Börsenglocke.
Und Dominion Voting Systems, die auf 1,6 Milliarden Dollar klagen, gelten intern vermutlich nur noch als „die nervigen Typen mit den Belegen“.
Investoren, die MAGA atmen
Dass sich so viele Menschen an der Aktie beteiligten, liegt vermutlich nicht daran, dass sie an die wirtschaftliche Zukunft eines defizitären Nischen-Senders glauben. Nein – sie glauben an den heiligen Gral: Medienbesitz mit Meinungsgarantie!
Oder, wie es ein Anchorman bei Newsmax sagte:
„Werde Miteigentümer und rette Amerika vor Wahrheit und Fakten!“
Gretchenfrage der Woche: Was ist das Geschäftsmodell von Newsmax?
Antwort:
-
Trump feiern
-
Demokraten verteufeln
-
Merchandising verkaufen
-
Und wenn’s brenzlig wird – ab zur Börse!
König Donald I. gratuliert aus Mar-a-Lago
Natürlich ließ sich auch Donald Trump die Show nicht nehmen. Per „netter Nachricht“ an Ruddy – vermutlich bestehend aus Großbuchstaben und vielen Ausrufezeichen – beglückwünschte er Newsmax zum Erfolg.
Insider vermuten, dass ein neuer Fernsehsender in Planung ist: „TruthMax – now with more flags.“
Fazit: Die Wall Street liebt ein gutes Märchen
Newsmax ist jetzt 20 Milliarden Dollar wert – auf dem Papier. Und wenn Papier geduldig ist, dann ist die Börse derzeit ein Gedichtband in Versalien.
Ob der Höhenflug anhält, bleibt abzuwarten. Vielleicht fällt die Aktie bald auf ein normales Niveau zurück. Oder sie steigt weiter – getrieben von Träumen, Tweets und einem Hauch Verzweiflung.
In jedem Fall ist klar:
Wer denkt, Fernsehen lohnt sich nicht mehr, hat noch nie einen patriotisch lackierten Aktienkurs gesehen.
Breaking News bei Newsmax:
„Newsmax rettet Amerika – und dein Depot!“
„Kauft Aktien, bevor die Wahrheit zurückkommt!“