Die Deutsche Bahn (DB) vollzieht einen weiteren Schritt in ihrer strategischen Fokussierung und gibt das Geschäft mit den sogenannten „Service Stores“ an Bahnhöfen ab. Dabei handelt es sich um kleine Shops, die seit Jahren unter dem Namen „DB Service Store“ unter anderem Snacks, Zeitungen, Getränke, Tabakwaren und Dinge des täglichen Bedarfs an Bahnreisende verkaufen – oft auf wenigen Quadratmetern, aber direkt in hochfrequentierten Bereichen der Bahnhöfe.
Wie die Bahn nun über das Netzwerk LinkedIn mitteilte, werden diese Läden nicht geschlossen, sondern künftig von den jeweiligen Betreiberunternehmen unter eigener Marke weitergeführt. „Die Läden bleiben und werden weiter modernisiert“, heißt es dazu offiziell. Lediglich das einheitliche Markenbild unter dem Dach der DB wird aufgegeben. Die Entscheidung betrifft bundesweit rund 80 bis 100 Standorte, die bisher als „Service Stores“ auftraten.
Damit verabschiedet sich der bundeseigene Konzern von einem weiteren Geschäftsbereich, der nicht zum operativen Kerngeschäft gehört. Die Konzentration soll nun verstärkt auf Mobilität, Fahrgastservice und Infrastruktur gelegt werden – also auf das, was die Bahn als ihren eigentlichen Auftrag betrachtet. Die Abgabe der „Service Stores“ folgt einer Linie, die bereits in den letzten Jahren sichtbar wurde: Immer wieder wurden nicht bahnspezifische Aktivitäten zurückgefahren oder an Dritte übergeben – etwa in der Immobilienverwertung oder bei gastronomischen Angeboten.
Für die Kundinnen und Kunden dürfte sich auf den ersten Blick wenig ändern: Die Shops bleiben erhalten, das Sortiment soll größtenteils gleich bleiben oder in Teilen sogar erweitert werden. Die konkrete Ausgestaltung liegt nun jedoch vollständig bei den Franchisepartnern und Betreibern, die mehr unternehmerische Freiheiten bei der Markenführung und Sortimentierung erhalten. Einige der Betreiber gehören zu größeren Convenience-Ketten, andere sind mittelständisch geprägt. Künftig könnten also regionale Unterschiede deutlicher sichtbar werden – was durchaus im Sinne eines individuelleren Angebots sein kann.
Aus Sicht der Bahn ist dieser Schritt auch ein Signal der Entlastung: Verwaltung, Marketing und operative Koordination der Shops entfallen künftig. Stattdessen liegt die Verantwortung für Investitionen, Modernisierungen und Sortimentsentscheidungen vollständig bei den Partnern. Die Bahn stellt lediglich weiterhin die Flächen zur Verfügung – als Vermieterin in den Bahnhöfen, nicht mehr als direkte Markeninhaberin.
Branchenexperten bewerten den Schritt als nachvollziehbar, zumal der Betrieb von Convenience-Stores nicht zu den Kernkompetenzen eines Eisenbahnunternehmens zählt. Gleichzeitig zeigt die Entwicklung auch: Die Bahn zieht sich zunehmend aus dem Image eines ganzheitlichen „Bahnhofsversorgers“ zurück und überlässt das Umfeld ihrer Verkehrsstationen privaten Anbietern.
Ob der Wegfall des DB-Brandings von den Fahrgästen überhaupt wahrgenommen wird, bleibt abzuwarten. In vielen Fällen stand ohnehin nicht das Logo der Bahn, sondern das Angebot im Vordergrund. Für Stammkundinnen und -kunden könnten sich jedoch Preise, Öffnungszeiten oder Sortiment einzelner Filialen künftig stärker unterscheiden – je nachdem, wie die Betreiber ihre Freiheiten nutzen.
Fazit: Die Deutsche Bahn zieht sich aus einem weiteren Randbereich zurück und gibt die Verantwortung für das Shopgeschäft an den Bahnhöfen an die Partnerunternehmen ab. Die Service Stores bleiben erhalten, firmieren künftig aber unter neuen Namen. Damit bleibt die Versorgung der Reisenden gewährleistet – nur nicht mehr unter der roten Dachmarke der DB.