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Analyse des Jahresabschlusses 2023 der Windpark Kirchohmfeld GmbH – Zurückhaltung, aber solide Struktur

ds_30 (CC0), Pixabay

Die Windpark Kirchohmfeld GmbH aus Berlin legt für das Jahr 2023 einen stark vereinfachten Jahresabschluss gemäß den Regelungen für Kleinstkapitalgesellschaften (§ 267a HGB) vor. Das Unternehmen überschritt nicht die in § 267a Abs. 1 HGB genannten Schwellenwerte und nutzt damit die gesetzlichen Erleichterungen – ein übliches Vorgehen bei jungen oder sehr kleinen Projektgesellschaften.

Positive Eigenkapitalbasis – wenn auch rückläufig

Das Eigenkapital zum Bilanzstichtag beträgt 16.678 EUR und macht damit etwa 77 % der Bilanzsumme von 21.682 EUR aus. Das stellt grundsätzlich eine ausreichende Eigenkapitalquote dar, vor allem im Vergleich zu vielen Projektgesellschaften, die oft stark fremdfinanziert arbeiten.

Allerdings ist das Eigenkapital im Vergleich zum Vorjahr um knapp 7.610 EUR gesunken – ein Hinweis auf einen Jahresfehlbetrag, der in diesem stark verkürzten Abschluss nicht ausgewiesen wird, aber sich rechnerisch ableiten lässt.

Rückstellungen steigen deutlich – Belastung durch laufende Kosten?

Die Rückstellungen wurden von nur 168 EUR im Vorjahr auf 5.004 EUR erhöht. Zwar ist der Betrag für sich betrachtet nicht hoch, aber die Steigerung ist auffällig und legt nahe, dass kalkulierte, aber noch nicht fällige Kosten – etwa für Steuerberatung, Verwaltung oder Betriebskosten – angefallen sind. Diese Entwicklung sollte von Anlegern genau beobachtet werden, um die tatsächliche Liquiditätslage realistisch einschätzen zu können.

Keine Verbindlichkeiten – Fremdfinanzierung aufgelöst

Bemerkenswert: Die Verbindlichkeiten, die im Vorjahr noch bei 544 EUR lagen, wurden vollständig getilgt. Auch die Verbindlichkeiten gegenüber Gesellschaftern sind vollständig zurückgeführt. Dies kann ein positives Signal sein – etwa für den Wunsch, die Gesellschaft weitgehend unabhängig zu finanzieren – oder schlicht auf eine aktuell niedrige operative Tätigkeit hindeuten.

Umlaufvermögen fast ausschließlich liquide Mittel

Mit 21.682 EUR Umlaufvermögen, das mutmaßlich größtenteils aus Guthaben bei Kreditinstituten besteht, ist die Liquidität aktuell ausreichend, um kurzfristige Verpflichtungen zu decken – was angesichts der Rückstellungshöhe auch notwendig ist. Allerdings ist unklar, ob die Mittel aus Einlagen oder laufendem Betrieb stammen.

Fazit für Anleger

Die Windpark Kirchohmfeld GmbH zeigt im Geschäftsjahr 2023 ein klares Bild einer ruhenden oder sich in Vorbereitung befindenden Projektgesellschaft. Zwar ist keine operative Tätigkeit offengelegt, aber das verringerte Eigenkapital und die steigenden Rückstellungen deuten darauf hin, dass sich die Gesellschaft in einer Umbruch- oder Startphase befindet.

Stärken:

Hohe Eigenkapitalquote

Keine Verbindlichkeiten

Ordnungsgemäßer Umgang mit Kleinstabschluss-Regelung

Schwachstellen:

Jahresfehlbetrag erkennbar

Rückstellungen deutlich erhöht

Kein aktives Anlagevermögen ausgewiesen

Für Anleger gilt: Dieses Projekt befindet sich offenbar noch vor dem operativen Start. Ein Engagement sollte von einer Prüfung begleitet werden, wann und wie der Windpark wirtschaftlich in Betrieb geht und ob das Geschäftsmodell langfristig tragfähig ist. Bis dahin bleibt es ein vorsichtiger Beobachtungsfall – mit Potenzial, aber auch offenen Fragen.

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