Die ENERGREEN Windpark Himmelwald GmbH & Co. KG hat zum 30. Juni 2024 ihren Jahresabschluss vorgelegt. Aus Anlegersicht zeigt sich ein gemischtes Bild: Auf der einen Seite gibt es einen leichten Jahresüberschuss, auf der anderen Seite jedoch einen spürbaren Abbau der Substanz, eine sehr hohe Fremdkapitalquote und ein insgesamt angespanntes Verhältnis zwischen Vermögen und Eigenmitteln.
Deutlicher Rückgang der Vermögensbasis
Die Bilanzsumme ist im Vergleich zum Vorjahr um rund 1,8 Mio. Euro auf 13,43 Mio. Euro gesunken. Dieser Rückgang geht fast vollständig auf das Anlagevermögen zurück, das sich durch Abschreibungen von 13,33 Mio. Euro auf 11,77 Mio. Euro reduziert hat. Der Rückgang ist bei Windkraftprojekten mit planmäßiger Abschreibung grundsätzlich zu erwarten, deutet aber auch auf fehlende Reinvestitionen oder Substanzerhaltungsmaßnahmen hin.
Solide Liquidität, aber rückläufig
Das Umlaufvermögen liegt mit rund 1,58 Mio. Euro unter dem Vorjahreswert (1,84 Mio. Euro). Vor allem der Kassenbestand hat deutlich abgenommen – von rund 1,65 Mio. Euro auf 1,35 Mio. Euro. Die liquiden Mittel bleiben auf einem ordentlichen Niveau, der Rückgang sollte aber beobachtet werden, insbesondere wenn künftige Investitionen oder Tilgungsleistungen bevorstehen.
Eigenkapitalquote unter Druck
Das Eigenkapital ist von 2,72 Mio. Euro auf 2,01 Mio. Euro gesunken. Der Anteil am Gesamtkapital liegt damit bei nur noch rund 15 %, was als unterdurchschnittlich zu bewerten ist – insbesondere bei einem so kapitalintensiven Geschäftsmodell wie einem Windpark. Zwar konnte ein kleiner Jahresüberschuss von knapp 53.000 Euro erzielt werden, dieser reicht jedoch nicht aus, um die Eigenmittelbasis spürbar zu stärken. Für Anleger bedeutet das: Die Gesellschaft ist stark abhängig von externen Kapitalgebern und hat nur eingeschränkt Puffer für schlechte Ertragsjahre.
Hohe und langfristige Verschuldung
Mit 11,06 Mio. Euro ist der Fremdkapitalanteil sehr hoch – er macht über 82 % der Passivseite aus. Besonders auffällig: Fast die gesamten Verbindlichkeiten (10,99 Mio. Euro) haben eine Restlaufzeit von über fünf Jahren, was für langfristige Finanzierungen spricht – typischerweise Darlehen für den Anlagenbau. Diese Struktur sorgt zwar für Planbarkeit, bindet das Unternehmen aber über Jahre hinweg an Zins- und Tilgungspläne. Sollte das Zinsumfeld steigen oder Erträge ausbleiben, kann das zu Liquiditätsengpässen führen.
Rückstellungen stabil – Rückbauverpflichtung eingepreist
Die Rückstellungen wurden leicht reduziert (von 361.000 auf 353.000 Euro) und decken laut Anhang u. a. Rückbauverpflichtungen, Prüfungs- und Pachtkosten ab. Die konservative Bilanzierung solcher Pflichten ist aus Sicht der Anleger positiv zu werten und entspricht branchenüblichen Anforderungen.
Fazit aus Anlegersicht:
Die ENERGREEN Windpark Himmelwald GmbH & Co. KG weist eine typische Bilanzstruktur für einen laufenden Windpark auf: hohe Fremdfinanzierung, sinkende Anlagenwerte durch Abschreibungen und ein enger finanzieller Spielraum. Positiv ist, dass keine außerplanmäßigen Abschreibungen vorgenommen werden mussten und die Rückstellungen sachgerecht gebildet wurden.
Kritisch zu beobachten sind:
die sinkende Eigenkapitalquote,
der fortlaufende Substanzverlust,
die langfristige Bindung durch hohe Verbindlichkeiten.
Empfehlung:
Anleger sollten sich über die zukünftige Ertragserwartung des Windparks, die geplante Verwendung des Überschusses sowie mögliche Rückzahlungspläne der Darlehen informieren. Eine mittelfristige Strategie zum Kapitalerhalt (etwa durch Rücklagenstärkung oder Nachschüsse) wäre aus Investorensicht wünschenswert. Wer bereits beteiligt ist, sollte künftig besonders auf Liquiditätsentwicklung und mögliche Sonderbelastungen achten.