Der Jahresabschluss 2023 der wpd Windpark Sarmersbach Repowering GmbH & Co. KG offenbart ein junges Projekt in der Aufbau- oder Übergangsphase. Die Bilanzsumme ist deutlich gestiegen, das Eigenkapital hingegen vollständig aufgezehrt. Die Gesellschaft ist bilanziell überschuldet – formal jedoch fortführungsfähig durch eine Rangrücktrittsvereinbarung mit einem Gläubiger. Für potenzielle Anleger bedeutet das: hohes Risiko, fehlende operative Substanz und derzeit keine wirtschaftlich solide Grundlage für eine Beteiligung.
1. Anlagevermögen plötzlich aufgebaut – Projektstart erfolgt
Das Anlagevermögen ist innerhalb eines Jahres von 0 auf rund 607.500 € angestiegen. Hier dürfte es sich um erste Investitionen im Rahmen des geplanten Repowering-Projekts handeln – etwa Grundstücke, vorbereitende Maßnahmen oder Zahlungen im Zusammenhang mit Windenergieanlagen.
Bewertung: Es handelt sich um ein Projekt im Aufbau, das Sachwerte schafft, aber bislang noch keine Einnahmen generiert. Solche Phasen sind erfahrungsgemäß besonders kapitalintensiv und riskant.
2. Eigenkapital vollständig aufgezehrt – bilanzielle Überschuldung
Das Eigenkapital der Gesellschaft beträgt zum Stichtag 0 €. Im Vorjahr war noch ein Restkapital von gut 3.300 € vorhanden. Gleichzeitig wird ein nicht durch Eigenkapital gedeckter Verlustanteil der Kommanditisten von rund 1.195 € ausgewiesen – ein klares Zeichen für bilanziellen Fehlbetrag und negative Entwicklung.
Aus Anlegersicht ist das ein zentrales Warnsignal. Eine Gesellschaft ohne Eigenkapital hat weder Risikopuffer noch Reserven zur Deckung laufender Verluste oder zur Absicherung unerwarteter Kosten.
3. Bilanzielle Überschuldung nur durch Rangrücktritt abgewendet
Laut Bilanzanhang wurde der Jahresabschluss trotz bilanzieller Überschuldung unter der Annahme der Unternehmensfortführung erstellt. Der Grund: Ein Gläubiger hat eine qualifizierte Rangrücktrittsvereinbarung abgeschlossen – das heißt, seine Forderungen werden im Insolvenzfall nachrangig behandelt und zählen deshalb bilanziell nicht zur Überschuldung.
Das sichert formal die Fortführungsprognose – ändert aber nichts an der wirtschaftlich kritischen Lage.
4. Verbindlichkeiten kurzfristig, aber massiv angestiegen
Die Verbindlichkeiten haben sich von nur 200 € im Vorjahr auf über 725.800 € erhöht – bei gleichzeitiger Konzentration auf kurzfristige Fälligkeit (unter einem Jahr). Dazu gehören auch Verbindlichkeiten gegenüber Gesellschaftern, wenn auch nur in geringem Umfang (600 €).
Bewertung: Eine so hohe kurzfristige Fremdkapitalquote birgt erhebliche Risiken, besonders bei unklarer Projektlaufzeit, ausstehender Finanzierung oder Verzögerungen in der Umsetzung.
5. Keine Umsatzerlöse, keine Ergebnisdarstellung – völlige Intransparenz
Der Jahresabschluss enthält keine Gewinn- und Verlustrechnung und keine Angaben zur operativen Entwicklung. Ob Einnahmen erzielt wurden, wie hoch der Jahresfehlbetrag tatsächlich ausfällt und ob Zahlungsfähigkeit besteht, bleibt unklar.
Aus Anlegersicht ist diese Informationslücke erheblich. Es ist unmöglich, die Wirtschaftlichkeit des Projekts oder die Tragfähigkeit des Geschäftsmodells zu bewerten.