Die Infrastruktur Windpark Römerreuth GmbH & Co. KG wurde erst am 21. Dezember 2023 gegründet und hat damit ein Rumpfgeschäftsjahr von lediglich elf Tagen hinter sich. Der veröffentlichte Abschluss zeigt einen typischen Gründungsstand mit frischen Einlagen, einem operativen Anlaufverlust und einer strukturell sauberen, aber wirtschaftlich noch unbewertbaren Ausgangssituation. Für Anleger bietet der Abschluss wichtige Hinweise auf Transparenz, Gesellschafterstruktur und Risikoverteilung – aber noch keine echte Grundlage zur Bewertung der Wirtschaftlichkeit.
1. Einlageklarheit und Eigentümerstruktur: Drei Gesellschafter, gleich verteilt
Die Gesellschaft ist paritätisch aufgeteilt zwischen der Herzo Energie GmbH, der Erlanger Stadtwerke AG und der Dornauer Windkraft UG, jeweils mit 33,33 %. Zwei der drei Gesellschafter haben bereits Rücklagen in Höhe von zusammen 200.000 Euro eingebracht. Die Einlage der Dornauer Windkraft UG steht noch aus und ist für 2024 vorgesehen. Das Kapital von 3.000 Euro Kommanditeinlagen wurde geleistet.
Aus Anlegersicht positiv: Die Gesellschafterstruktur ist übersichtlich, kommunal verankert und weitgehend professionell. Die paritätische Beteiligung verhindert Dominanz einzelner Partner. Die Rücklagenbildung zeigt früh finanzielle Substanz.
2. Jahresfehlbetrag im Rumpfjahr – erwartbar, aber einzuordnen
Der Jahresfehlbetrag beläuft sich auf rund 46.200 Euro. Für ein Projekt in der Anlaufphase ist dies nicht ungewöhnlich – Kosten für Beratung, Gründung, Prüfungsleistungen und erste organisatorische Maßnahmen schlagen hier zu Buche. Der Verlust wird ordnungsgemäß auf einem Verlustsonderkonto verbucht und belastet nicht das gezeichnete Kapital.
Einschätzung: Kein unmittelbares Risiko, aber ein Signal für weitere Kosten in der Frühphase, bevor Erträge entstehen.
3. Liquide Mittel vorhanden, kaum Verbindlichkeiten
Das Unternehmen verfügt über ein Bankguthaben von rund 156.000 Euro und hält Forderungen von rund 108.000 Euro, unter anderem gegenüber einem Gesellschafter (Einlage). Demgegenüber stehen lediglich rund 7.000 Euro an Verbindlichkeiten und Rückstellungen – größtenteils aus Prüfung und Beratung. Die Bilanzstruktur ist aktuell sehr solide.
Aus Anlegersicht: Das Projekt ist schuldenfrei gestartet und ausreichend mit liquiden Mitteln ausgestattet. Das reduziert das Frühphasenrisiko.
4. Keine Haftungsverhältnisse oder offengelegte Risiken
Laut Anhang bestehen zum Bilanzstichtag keine Eventualverbindlichkeiten oder außerbilanzielle finanzielle Verpflichtungen. Auch nach dem Bilanzstichtag traten laut Angabe keine wesentlichen Ereignisse ein.
Das ist positiv, auch wenn aus Investorensicht die weitere Projektplanung offen bleibt. Ob, wann und in welcher Form tatsächlich Windenergieanlagen oder Infrastruktur errichtet werden, wird im Abschluss nicht erläutert.
5. Geschäftsführung ohne Vergütung – sachlich, aber langfristig fraglich
Die Geschäftsführung wird derzeit ohne Vergütung ausgeführt. Das deutet auf ein kompaktes, partnerschaftliches Projektumfeld hin. Langfristig wird sich dies aber ändern müssen, sobald operative Aufgaben zunehmen.
6. Bewertung aus Anlegersicht
Der Jahresabschluss dokumentiert eine solide Neugründung mit klarer Kapitalstruktur, starker kommunaler Verankerung und formal sauberer Umsetzung. Der Verlust im Rumpfjahr ist unbedenklich. Risiken aus Verbindlichkeiten oder stillen Lasten sind derzeit nicht erkennbar. Allerdings fehlen jegliche Angaben zur Projektentwicklung, zu Investitionsplänen, Zeitachsen oder wirtschaftlichen Zielgrößen.
Risiken:
Noch keine Aussage zur Rentabilität oder künftigen Projektstruktur
Fehlende Einlage eines Gesellschafters (noch ausstehend)
Kein Lagebericht oder strategische Ausrichtung offengelegt
Chancen:
Paritätische, kommunale Gesellschafterstruktur
Frühzeitige Rücklagenbildung
Schuldenfreier Start mit liquiden Mitteln
Transparente Aufbereitung
Fazit:
Die Gesellschaft befindet sich am Anfang eines Infrastrukturprojekts, das sauber strukturiert und solide finanziert gestartet ist. Für Anleger ist der Einstieg in dieser frühen Phase mit Unsicherheiten behaftet, gleichzeitig jedoch mit Potenzial verbunden – vorausgesetzt, die Projektentwicklung verläuft wie geplant. Ohne weitere Berichte oder Angaben zur Investitionsstrategie bleibt der Abschluss jedoch eine Momentaufnahme ohne wirtschaftliche Bewertungstiefe.