Norwegen bringt seine geheimen Militärbunker aus der Zeit des Kalten Krieges zurück in Betrieb – und das hat einen klaren Grund: Russlands aggressives Verhalten, insbesondere seit dem Überfall auf die Ukraine. Die unterirdischen Anlagen sollen künftig wieder eine zentrale Rolle im Verteidigungskonzept des NATO-Mitglieds spielen.
Ein Land voller Bunker
Schon während des Kalten Kriegs verfügte Norwegen über etwa 3.000 militärische Untergrundanlagen – Schutzräume für Soldaten, Flugzeuge und U-Boote. Diese Bunker, oft tief in die Berge gebohrt, waren Norwegens Antwort auf die damalige Bedrohung durch die Sowjetunion.
Heute, angesichts der aktuellen geopolitischen Lage, wird klar: Die Bedrohung durch Russland ist zurück – und mit ihr die Notwendigkeit, sich zu schützen.
Bardufoss Air Base: Schutz für teure Kampfjets
Einer der reaktivierten Bunker befindet sich auf dem Luftwaffenstützpunkt Bardufoss, nahe der russischen Grenze. Die dort gelagerten F-35-Kampfjets, die bis zu 110 Millionen Dollar kosten, sind am Boden besonders verwundbar – etwa durch günstige Kamikaze-Drohnen. Der Schutz in massiven Felsbunkern bietet sicheren Rückzugsraum im Angriffsfall.
Olavsvern: Norwegens geheimer U-Boot-Hafen
Noch spektakulärer ist die Reaktivierung der ehemaligen NATO-Basis Olavsvern, in eine Felswand nahe der Barentssee gebaut. Sie war einst streng geheim und diente zur Überwachung russischer Marineaktivitäten. Die Anlage verfügt über:
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Eine 900 Meter lange Zugangstunnel mit Panzertor
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Tiefwasserhafen
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Trockendock
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Kommandostrukturen im Inneren des Berges
Nach der Schließung 2009 und dem Verkauf an Private für nur 7 Millionen Pfund (!) wurde Olavsvern zeitweise sogar von russischen „Forschungsschiffen“ genutzt – was die Sicherheitslage erheblich verschlechterte. Seit 2020 befindet sich die Basis wieder in staatlich kontrollierter Hand und wird modernisiert.
Warum genau jetzt?
Laut Experten begannen Norwegens Sorgen nicht erst mit dem Ukrainekrieg 2022, sondern schon 2006–2008, als Russland wieder vermehrt Militärübungen in der Arktis abhielt und seine Nordflotte massiv aufrüstete. Mit dem wachsenden Interesse Russlands an der Arktis und deren Ressourcen steigt auch Norwegens strategischer Druck.
„Putins Russland ist nicht die Sowjetunion – aber für Norwegen stellen sich die gleichen Fragen: Wie können wir abschrecken? Und wie würden wir einen Krieg führen?“
— Andreas Østhagen, Fridtjof Nansen Institut
Ein globaler Trend
Nicht nur Norwegen geht diesen Weg:
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Russland hat rund 50 seiner eigenen Bunker im Polarkreis reaktiviert.
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Schweden nutzt wieder seine unterirdische Marinebasis auf der Insel Muskö.
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China baut einen gigantischen U-Boot-Stützpunkt auf der Insel Hainan und ein unterirdisches Kommandozentrum nahe Peking.
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Iran betreibt unterirdische Marinebasen im Persischen Golf.
Kosten, Risiken und Realismus
Die Reaktivierung alter Bunker ist teuer. Viele Anlagen in Europa – auch in Großbritannien – wurden nach dem Kalten Krieg verkauft oder zu Museen, Nachtclubs oder Wohnraum umgebaut. Andere sind heute unbrauchbar, da durch Feuchtigkeit zerstört oder sicherheitstechnisch überholt.
Zudem haben viele dieser Standorte ihren geheimen Charakter längst verloren – Satellitenbilder können heute jedes Lüftungsgitter erkennen.
Trotzdem: Der Schutz, den dicke Felswände bieten, ist unschlagbar – selbst gegen moderne Bunkerbrecher-Bomben, wenn strukturelle Schwächen beseitigt wurden.
Psychologie der Bunker
„Die Psychologie von Bunkern ist sehr mächtig. Sie sind tief in unserem Verständnis des Kalten Kriegs verankert – wie aus einem ‚Dr. Strangelove‘-Film.“
— Sir Humphrey, Militärhistoriker und Blogger
Fazit
Norwegen zeigt, wie sich westliche Staaten an eine neue sicherheitspolitische Realität anpassen. Der Kalte Krieg ist Geschichte – aber die geopolitischen Spannungen mit Russland sind aktueller denn je. Und manchmal ist die beste Antwort eben, tief unter die Erde zu gehen.