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University of Michigan schließt DEI-Büro – Rückzug nach Trumps Erlass

geralt (CC0), Pixabay

Die renommierte University of Michigan zieht sich überraschend aus einem ihrer zentralen gesellschaftspolitischen Engagements zurück: Das Büro für Diversity, Equity and Inclusion (DEI) wird geschlossen – ebenso wie das „Office for Health Equity and Inclusion“. Die Entscheidung folgt auf eine Reihe von Maßnahmen der Trump-Regierung gegen Programme zur Förderung von Vielfalt und Chancengleichheit an US-Hochschulen.

In einem offiziellen Statement auf der Website der Universität informierte Präsident Santa Ono gemeinsam mit weiteren Spitzenvertretern über den Schritt. Dienstleistungen für Studierende sollen künftig von anderen Abteilungen übernommen werden. Die bisherige „DEI 2.0“-Strategie samt Programmen, Schulungen und Berichten wird vollständig eingestellt. Mitarbeitende in DEI-Funktionen sollen sich künftig wieder ausschließlich ihren „Kernaufgaben“ widmen.

Scharfe Kritik aus der Fakultät

An der Universität stieß die Entscheidung sofort auf heftige Kritik. Rebekah Modrak, Vorsitzende des Fakultätsrats, sprach in einer internen Mail von einem „Angriff der Bundesregierung auf die Hochschullandschaft“ und warf der Universitätsleitung vor, Trumps Agenda passiv mitzutragen. „Das ist ein groß angelegter Kulturwandel in Richtung weißer Vorherrschaft“, so Modrak.

Sie warnte zudem vor weiterem Druck auf die akademische Freiheit: „Was jetzt beginnt, endet wie in Texas oder Ohio mit der Zensur von Lehrinhalten.“ Für Freitag kündigte sie ein Notfalltreffen per Zoom an.

Wie viele Entlassungen es durch die Umstrukturierung geben wird, ist unklar. Provost Laurie McCauley bestätigte jedoch, dass „mehrere geschätzte Kolleginnen und Kollegen“ betroffen seien – diese seien bereits informiert worden.

Rückblick auf Investitionen in Vielfalt

Seit 2016 hatte die Universität mehr als 250 Millionen US-Dollar in DEI-Initiativen investiert, darunter ein 85-Millionen-Dollar-Plan zur Steigerung von Diversität und Gerechtigkeit auf dem Campus. Projekte wie das „Center for Educational Outreach“, das „National Center for Institutional Diversity“ oder das Programm „Wolverine Pathways“ unterstützten gezielt benachteiligte Schülergruppen.

Trotz dieser Anstrengungen blieb der Anteil unterrepräsentierter Minderheiten gering: So identifizierten sich 2022 nur 4,5 % der Studierenden als Black – bei einem Bevölkerungsanteil von etwa 14 % im Bundesstaat Michigan.

Fokusverschiebung statt Aufgeben?

Die Universität betonte in ihrer Erklärung, man werde auch künftig „ein Umfeld schaffen, das Vielfalt und gegenseitigen Respekt fördert“. Bestehende Angebote wie das „Trotter Multicultural Center“, das „Spectrum Center“ und weitere Räume für marginalisierte Gruppen auf dem Campus sollen erhalten bleiben. Auch Programme wie die „Go Blue Guarantee“ (kostenlose Studienplätze für Studierende mit geringem Einkommen) und das Mentoring für Pflegekinder sollen ausgebaut werden.

Regent Jordan Acker verteidigte den Schritt. Zwar sei viel Geld investiert worden, doch sei zu wenig davon bei den Studierenden angekommen. „Statt in Bürokratie müssen wir in echte Veränderung investieren“, so Acker. Kollegin Sarah Hubbard lobte den Rückzug als Schritt hin zu mehr „Denkvielfalt und Meinungsfreiheit“.

Politische Reaktionen

Für politische Kontroverse sorgte die Entscheidung auch außerhalb des Campus. Die Demokratin und US-Kongressabgeordnete Rashida Tlaib kritisierte die Universität scharf: „Die Leitung der University of Michigan sollte für die Rechte ihrer Studierenden kämpfen – und sich nicht vor Trumps Angriffen auf akademische Freiheit beugen.“

Die Schließung des DEI-Büros ist Teil einer Reihe von Rückzügen der Universität aus DEI-Initiativen. Bereits im Dezember 2024 wurde auf die Anforderung von Diversitäts-Statements bei Bewerbungen verzichtet. Im selben Monat entließ die Universität die Leiterin des Büros für Multikulturelle Initiativen wegen umstrittener Äußerungen. Und erst vergangene Woche wurde das LEAD-Stipendienprogramm für Minderheiten eingestellt.

Die Entwicklungen an der University of Michigan könnten beispielgebend für weitere US-Hochschulen sein – in einem politischen Klima, das zunehmend unter Druck steht.

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