Dark Mode Light Mode

Signal-Chat über Huthi-Angriffe sorgt für massive Kritik – Weißes Haus verteidigt sich

sergeitokmakov (CC0), Pixabay

Die Veröffentlichung vertraulicher Chatnachrichten auf der verschlüsselten App Signal, in denen hochrangige Sicherheitsberater der Trump-Regierung Angriffspläne auf die jemenitische Huthi-Miliz diskutierten, hat in den USA zu scharfer Kritik und politischen Spannungen geführt. Besonders brisant: Ein Journalist war versehentlich Teil des Gruppenchats.

Das Magazin The Atlantic veröffentlichte am Mittwoch Screenshots von Nachrichten, die Verteidigungsminister Pete Hegseth an die Chatgruppe geschickt hatte. Darin enthalten: Zeitangaben für den Start von F-18-Kampfjets, eingesetzte Waffensysteme und Details zu den Zielen der Luftangriffe am 15. März.

Der Chefredakteur von The Atlantic, Jeffrey Goldberg, wurde laut eigenen Angaben versehentlich von Trumps Sicherheitsberater Mike Waltz in die Gruppe aufgenommen. Waltz übernahm dafür öffentlich die Verantwortung und kündigte eine technische Untersuchung an – unter anderem durch Elon Musks Experten-Team.

Regierung: Keine „Kriegspläne“ geteilt

Sowohl das Weiße Haus als auch Hegseth selbst bestritten, dass in der Signal-Gruppe klassifizierte oder operative Kriegspläne geteilt worden seien. Es habe sich lediglich um eine „sensible politische Diskussion“ gehandelt, betonte Regierungssprecherin Karoline Leavitt.

Präsident Donald Trump verteidigte seinen Verteidigungsminister: „Hegseth macht einen großartigen Job. Er hatte mit dem Leak nichts zu tun.“ Auf Fragen zu einem möglichen Rücktritt reagierte er mit voller Rückendeckung für sein Team.

Trump stellte zudem die Zuverlässigkeit der App Signal infrage: „Ich weiß nicht, ob Signal überhaupt richtig funktioniert. Vielleicht ist es eine fehlerhafte Plattform.“

Kritik von Demokraten – Forderungen nach Rücktritt

Demokraten forderten Konsequenzen: Senator Richard Blumenthal nannte das Teilen der Informationen „ein Verbrechen“ und verlangte den Rücktritt Hegseths. Der demokratische Abgeordnete Jimmy Gomez stellte sogar die Frage, ob Hegseth möglicherweise unter Alkoholeinfluss gehandelt habe – eine Bemerkung, die von CIA-Direktor John Ratcliffe als „beleidigend“ zurückgewiesen wurde.

Auch Rep. Jim Himes, führender Demokrat im Geheimdienstausschuss, kritisierte die Regierung scharf: „Wir wissen jetzt, dass Menschen in den sensibelsten Positionen der Welt militärisch relevante Informationen in einem Messenger geteilt haben, der von Russland oder China abgefangen werden könnte.“

NSA-Chef: Informationen wären „klassifiziert“ bei Abhörung

Der Direktor der NSA, Timothy Haugh, sagte vor dem Geheimdienstausschuss des Repräsentantenhauses, dass die Inhalte des Signal-Chats als klassifiziert eingestuft worden wären, „wenn sie von ausländischen Geheimdiensten abgefangen worden wären“.

Auch wenn kein Geheimdienstmaterial offen benannt wurde, enthielten die Nachrichten laut Haugh Informationen zu Waffen, Zielsequenzen und Zeitpunkten, was als hochsensibel gilt.

Gabbard spricht von „Fehler“, aber kein Geheimnisverrat

Die Direktorin der Nationalen Geheimdienste, Tulsi Gabbard, räumte vor dem Ausschuss ein, dass die Aufnahme eines Journalisten in die Gruppe „ein Fehler“ gewesen sei. Sie betonte jedoch, dass keine Quellen, Methoden oder Einsatzorte preisgegeben worden seien.

Ein Verfahren zur Untersuchung des Vorfalls sei eingeleitet worden, so Gabbard. Aufgrund einer laufenden Klage könne sie sich zu vielen Details aktuell nicht äußern.

Signal-Chat wirft rechtliche Fragen auf

Die Watchdog-Organisation American Oversight reichte Klage ein, da die Signal-Kommunikation möglicherweise gegen das US-Bundesgesetz zur Archivierung (Federal Records Act) verstoßen habe. Einige Nachrichten in der Chatgruppe waren auf automatische Löschung nach einer Woche, andere nach vier Wochen eingestellt.

Der Fall wurde dem US-Bundesrichter James Boasberg zugewiesen – eine umstrittene Figur für Trump, der zuvor dessen Amtsenthebung forderte.

Fazit: Heikle Kommunikation mit politischen Folgen

Obwohl die Trump-Regierung versucht, den Vorfall herunterzuspielen, wächst der politische Druck. Die Veröffentlichung der Chatverläufe durch The Atlantic wirft nicht nur sicherheitsrelevante Fragen auf, sondern offenbart auch interne Kommunikationsprobleme in höchsten Regierungskreise

Kommentar hinzufügen Kommentar hinzufügen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Previous Post

BYD – Der E-Auto-Riese, den man in den USA nicht kaufen kann

Next Post

Sean 'Diddy' Combs wegen sexueller Nötigung eines Mannes verklagt