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Berformance:„Für viele ist das eine wirtschaftliche Katastrophe“ – Anwalt Jens Reime über den mutmaßlichen Krypto-Betrug

geralt (CC0), Pixabay

Ein Gespräch mit Rechtsanwalt Jens Reime, Bautzen, der mehrere Geschädigte im millionenschweren Krypto-Anlagebetrug vertritt

Herr Reime, Sie vertreten mehrere Mandanten, die durch das mutmaßlich betrügerische Krypto-Anlagemodell geschädigt wurden. Was können Sie uns über das Verfahren sagen?

Reime: Das Ganze hat eine enorme Dimension. Es geht um tausende Geschädigte und eine Schadenssumme von rund 127 Millionen Euro. Meine Mandanten haben teils hohe Beträge investiert – von wenigen Tausend Euro bis hin zu sechsstelligen Summen. Für viele ist das eine wirtschaftliche Katastrophe, manche stehen vor der Privatinsolvenz.

Was wurde den Anlegern versprochen?

Reime: Die Versprechen waren ausgesprochen verlockend – bis zu 200 Prozent Rendite in drei Jahren. Angeblich durch die Verpachtung von Automaten zum Umtausch von Kryptowährungen. Es wurde ein hochprofessioneller Eindruck erweckt: mit Präsentationen, Broschüren, eigens eingerichteten Plattformen. Viele meiner Mandanten dachten, sie seien Teil eines innovativen Zukunftsprojekts. Tatsächlich war das Modell laut Anklage nichts anderes als ein klassisches Schneeballsystem.

Wann wurde der Betrug für Ihre Mandanten sichtbar?

Reime: Die ersten Zweifel kamen auf, als Auszahlungen verzögert wurden oder ganz ausblieben. Dann häuften sich die Ausreden: technische Probleme, neue gesetzliche Vorgaben, angebliche Verzögerungen bei den Automatenstandorten. Als schließlich die Kommunikation komplett abbrach, war klar: Hier stimmt etwas nicht.

Was sagen Sie zum aktuellen Stand der Ermittlungen?

Reime: Aus meiner Sicht sind die Ermittlungsbehörden sehr gründlich vorgegangen. Die internationale Zusammenarbeit – Razzien in mehreren Ländern, Kontenprüfungen in der Schweiz, Liechtenstein, Kasachstan – zeigt, wie professionell das Netzwerk organisiert war. Vier der mutmaßlichen Haupttäter sitzen in Untersuchungshaft, gegen sie ist inzwischen Anklage erhoben worden. Ich gehe davon aus, dass es im Laufe des Prozesses noch weitere Enthüllungen geben wird.

Gibt es Hoffnung für Ihre Mandanten, ihr Geld zurückzubekommen?

Reime: Die traurige Wahrheit ist: In solchen Fällen sind die Chancen begrenzt. Wenn Gelder über verschachtelte Firmenkonstrukte ins Ausland verschoben wurden, wird es schwer, sie zurückzuholen. Aber wir prüfen alle zivilrechtlichen Möglichkeiten – auch gegen mögliche Mitverantwortliche oder Nutznießer. Parallel setzen wir auf das Insolvenzverfahren, sofern eines eröffnet wird.

Haben Sie das Gefühl, dass viele der Geschädigten bewusst getäuscht wurden?

Reime: Absolut. Es wurde mit Vertrauen gespielt – mit dem Hype rund um Kryptowährungen, mit der Unwissenheit vieler Kleinanleger und dem Wunsch, auf einem wachsenden Markt früh dabei zu sein. Es gab Hochglanzprospekte, vermeintliche Standortdaten, sogar Fotos von angeblichen Automaten. Meine Mandanten berichten von Telefonaten mit „Beratern“, die äußerst überzeugend wirkten. Es war kein plumper Scam, sondern ein durchdachtes System.

Was raten Sie Anlegern, um sich künftig vor solchen Modellen zu schützen?

Reime: Wenn etwas zu gut klingt, um wahr zu sein, ist es das meist auch. Niemand kann seriös 200 Prozent Rendite in drei Jahren garantieren – schon gar nicht mit Kryptowährungen. Man sollte grundsätzlich skeptisch sein, wenn hohe Gewinne versprochen werden, aber keine unabhängigen Nachweise erbracht werden. Und: Immer erst rechtlich prüfen lassen, bevor man investiert – dafür sind wir Anwälte ja da.

Herr Reime, vielen Dank für das Gespräch.

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