Interviewer: Herr Bremer, Sie recherchieren intensiv zur Insolvenz der DEGAG. Was genau macht dieses Verfahren aus Ihrer Sicht so besonders – oder sollte man sagen: so fragwürdig?
Thomas Bremer: Nun ja, ich habe schon viele Insolvenzverfahren gesehen, aber das hier hat das Zeug zu einem handfesten Skandal. Zunächst einmal: Warum wurde das Verfahren in Hameln eingereicht, wenn die Gesellschaft in Hamburg ihren Sitz hatte? Das macht keinen Sinn. Auf Nachfrage hieß es von Seiten der DEGAG, dass es dafür einen plausiblen Grund gebe. Interessanterweise hatte selbst das Amtsgericht Hameln Zweifel, ob es überhaupt zuständig ist.
Interviewer: Und was geschah dann?
Thomas Bremer: Das Gericht hat dem Antragsteller eine Frist bis zum 10. Februar 2025 gesetzt, um die Zuständigkeit plausibel zu machen. Genau deshalb hatte ich in meinen Artikeln auch diesen 10. Februar als entscheidenden Termin benannt – und siehe da, so kam es dann auch.
Aber das wirklich Brisante spielt sich hinter den Kulissen ab.
Interviewer: Was meinen Sie damit?
Thomas Bremer: Es gibt einen hochproblematischen Vorgang, den ich bis heute nicht nachvollziehen kann. Der Insolvenzantrag wurde am 28. Januar eingereicht – und nur zwei Tage später, am 30. Januar, gab es bereits ein Schreiben mit behördlichem Aktenzeichen, in dem Dr. Eckert als Insolvenzverwalter vorgeschlagen wurde.
Und jetzt kommt der Hammer: Dieser Vorschlag kam nicht von irgendeiner neutralen Stelle, sondern von einem Mitglied des Aufsichtsrates der DEGAG.
Interviewer: Das klingt in der Tat höchst merkwürdig. Haben Sie dazu Antworten erhalten?
Thomas Bremer: Leider nein. Ich habe sowohl das Amtsgericht Hameln als auch die Insolvenzkanzlei Dr. Eckert mehrfach um Aufklärung gebeten – aber bis heute keine schlüssige Erklärung bekommen.
Interviewer: Worin sehen Sie die eigentliche Gefahr für die Anleger?
Thomas Bremer: Ganz einfach: Hier geht es nicht um eine klassische Firmeninsolvenz, wo ein Betrieb wegen Zahlungsunfähigkeit schließt. Es geht um eine mögliche Kriminalinsolvenz. Die wichtigste Frage lautet doch:
Wo ist das ganze Geld geblieben?
Jeder betroffene Anleger erwartet Antworten. Und ich sehe es als meine Aufgabe, genau diese Antworten einzufordern.
Interviewer: Wie schätzen Sie das Verhalten der Beteiligten ein?
Thomas Bremer: Momentan habe ich den Eindruck, dass sich sowohl das Amtsgericht Hameln als auch der Insolvenzverwalter „ertappt“ fühlen. Vielleicht wird im Hintergrund gerade eine plausible Erklärung konstruiert.
Aber ganz ehrlich: Falls das alles wirklich nur ein Zufall ist, dann hatte das DEGAG-Aufsichtsratsmitglied wohl das Aktenzeichen des Verfahrens in seinen persönlichen Glückszahlen stehen.
Interviewer: Was ist Ihr nächster Schritt?
Thomas Bremer: Wir haben dem Insolvenzverwalter die Hand gereicht, um die Sache aufzuklären. Ob er sie annimmt, bleibt abzuwarten.
Falls nicht, dann werden wir die Verantwortlichen medial in die Pflicht nehmen. Denn eines ist klar:
Die Anleger dürfen nicht erneut das Gefühl haben, über den Tisch gezogen zu werden.