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Kritische, aber faire Analyse des Jahresabschlusses 2023 der JWP Jade Windpark GmbH & Co. 17. Betriebs KG aus Anlegersicht

Pexels (CC0), Pixabay

Der Jahresabschluss der JWP Jade Windpark GmbH & Co. 17. Betriebs KG gibt Einblick in die wirtschaftliche Lage des Unternehmens zum 31. Dezember 2023. Während einige positive Entwicklungen erkennbar sind, gibt es auch deutliche Risiken, insbesondere hinsichtlich der bilanziellen Überschuldung und der hohen Verbindlichkeiten. Nachfolgend eine kritische, aber faire Analyse aus der Sicht potenzieller Investoren und Gläubiger.

1. Vermögenslage: Deutlicher Rückgang der Anlagenwerte

Das Anlagevermögen ist von 25,14 Mio. EUR (2022) auf 22,02 Mio. EUR (2023) gesunken. Dieser Rückgang ist wahrscheinlich auf planmäßige Abschreibungen zurückzuführen, was grundsätzlich normal ist. Allerdings ist unklar, ob es zusätzliche Wertminderungen oder Investitionsstaus gibt.

Das Umlaufvermögen ist leicht gestiegen (5,48 Mio. EUR vs. 5,39 Mio. EUR im Vorjahr), was auf eine Verbesserung der Liquidität hinweisen könnte. Der Kassenbestand hat sich auf 4,17 Mio. EUR (2023) erhöht (Vorjahr: 3,99 Mio. EUR), was zumindest kurzfristig eine solide Liquiditätsreserve signalisiert.

Ein kritischer Punkt ist jedoch der Posten „Nicht durch Vermögenseinlagen gedeckter Verlustanteil der Kommanditisten“, der immer noch hoch ist (3,76 Mio. EUR im Jahr 2023, wenn auch besser als die 4,87 Mio. EUR in 2022). Dies deutet auf eine anhaltende finanzielle Schieflage hin, da Verluste nicht durch Eigenkapital gedeckt sind.

2. Kapitalstruktur: Keine Eigenkapitalbasis – Hohe Abhängigkeit von Fremdfinanzierung

Besonders auffällig ist das fehlende Eigenkapital. Das Unternehmen weist erneut kein Eigenkapital aus, was bedeutet, dass es vollständig durch Fremdkapital finanziert ist. Die gesamte Passivseite besteht fast ausschließlich aus Verbindlichkeiten (30,71 Mio. EUR) und Rückstellungen (0,77 Mio. EUR).

Von diesen Verbindlichkeiten haben:

4,92 Mio. EUR eine Restlaufzeit unter einem Jahr
14,92 Mio. EUR eine Laufzeit von über fünf Jahren
28,5 Mio. EUR sind durch Sicherheiten (Forderungsabtretungen und Sicherungsübereignungen) gedeckt

Die hohe Fremdkapitalquote erhöht das Insolvenzrisiko. Sollte das Unternehmen nicht genügend Erträge erwirtschaften, könnten Zins- und Tilgungsverpflichtungen zur finanziellen Belastung werden.

3. Rentabilität und Fortführungsprognose

Ein entscheidender Punkt für Anleger ist die Frage nach der zukünftigen Ertragskraft. Der Jahresabschluss enthält keine Gewinn- und Verlustrechnung, aber die bilanzielle Überschuldung deutet darauf hin, dass die Gesellschaft weiterhin keine oder nur geringe Gewinne erwirtschaftet.

Dennoch wird die Unternehmensfortführung im Jahresabschluss als „überwiegend wahrscheinlich“ eingestuft. Dies setzt voraus, dass:

Umsätze und Gewinne stabil oder steigend sind
Die Finanzierung langfristig gesichert bleibt
Keine unerwarteten negativen Marktveränderungen eintreten

Da keine detaillierten Ertragsdaten vorliegen, bleibt die langfristige Rentabilität unbestimmt und stellt für Investoren ein Risiko dar.

4. Fremdfinanzierung und Gläubigerrisiken

Die hohe Verschuldung ist ein kritischer Faktor für Investoren und Gläubiger:

Verbindlichkeiten gegenüber Kreditinstituten: 28,5 Mio. EUR (2023)
Darlehen von Gesellschaftern: 1,92 Mio. EUR (Vorjahr: 3,30 Mio. EUR)

Ein positiver Aspekt ist, dass Darlehen der Gesellschafter einem qualifizierten Rangrücktritt unterliegen. Dies bedeutet, dass diese Gesellschafterdarlehen erst nach den Forderungen anderer Gläubiger bedient werden, was externen Kreditgebern eine gewisse Sicherheit bietet.

Jedoch sind fast alle Kreditverbindlichkeiten durch Sicherheiten abgesichert – was bedeutet, dass bei Zahlungsausfällen die Gläubiger unmittelbar Zugriff auf diese Sicherheiten hätten.

5. Sonstige Auffälligkeiten

Keine Mitarbeiter: Die Gesellschaft hatte im gesamten Jahr 2023 keine Angestellten. Dies kann ein Zeichen für eine reine Betriebsgesellschaft sein, deren operative Tätigkeiten möglicherweise ausgelagert sind. Für Anleger könnte dies auf eine starke Abhängigkeit von externen Dienstleistern hinweisen.
Finanzierungskosten während der Bauphase aktiviert: Das Unternehmen hat von der Möglichkeit Gebrauch gemacht, Finanzierungskosten in die Herstellungskosten einzurechnen (1,59 Mio. EUR). Dies kann das operative Ergebnis kurzfristig positiver erscheinen lassen, führt aber zu höheren Abschreibungen in den kommenden Jahren.

Fazit: Chancen und Risiken für Anleger
Positive Aspekte:

✔️ Liquiditätsverbesserung: Der Kassenbestand ist leicht gestiegen.
✔️ Gesellschafterdarlehen mit Rangrücktritt: Dies schützt externe Gläubiger.
✔️ Fortführungsprognose positiv: Die Geschäftsführung hält den Betrieb für gesichert.
Risiken und kritische Punkte:

❌ Kein Eigenkapital: Das Unternehmen ist vollständig fremdfinanziert.
❌ Beträchtliche Schuldenlast: Über 90 % der Bilanzsumme sind Verbindlichkeiten.
❌ Betriebliche Rentabilität unklar: Es fehlen Gewinn- und Verlustangaben.
❌ Bilanzielle Überschuldung: Die Verluste der Vergangenheit sind nicht durch Eigenkapital gedeckt.
Gesamtbewertung aus Anlegersicht

Für bestehende Investoren bleibt die Lage herausfordernd. Solange sich die Ertragslage nicht verbessert, bleibt das Insolvenzrisiko hoch.

Für neue Anleger oder Kreditgeber ist Vorsicht geboten. Die hohe Fremdfinanzierung und die unklare Ertragslage stellen erhebliche Risiken dar. Investitionen sollten nur bei genauer Kenntnis der wirtschaftlichen Entwicklung und der langfristigen Ertragsprognosen in Betracht gezogen werden.

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