Der Jahresabschluss der 149. WestWind Windpark GmbH & Co. KG zum Geschäftsjahr 2023 zeigt ein typisches Bild für ein Unternehmen im Bereich der erneuerbaren Energien, das stark auf Sachanlagen und Fremdfinanzierung angewiesen ist. Für Anleger birgt der Bericht sowohl Chancen als auch Risiken, die nachfolgend analysiert werden.
1. Vermögensstruktur (Aktiva)
Rückgang des Anlagevermögens:
Das Anlagevermögen sank von 6,39 Mio. EUR auf 5,51 Mio. EUR (-13,8 %). Dieser Rückgang ist größtenteils auf planmäßige Abschreibungen auf die Sachanlagen zurückzuführen, die 97,8 % des Anlagevermögens ausmachen. Dies entspricht dem üblichen Substanzverzehr von Windparks, allerdings zeigt dies auch, dass keine wesentlichen Investitionen in neue Anlagen oder Modernisierungen vorgenommen wurden.
Anstieg des Umlaufvermögens:
Das Umlaufvermögen stieg von 1,57 Mio. EUR auf 2,07 Mio. EUR (+31,6 %). Positiv ist der Anstieg der Forderungen und sonstigen Vermögensgegenstände, der sich fast verdoppelte (+87,6 %). Allerdings ist auffällig, dass 1,1 Mio. EUR dieser Forderungen gegenüber Gesellschaftern bestehen (Vorjahr: 352.914 EUR). Solche internen Forderungen könnten auf eine potenzielle Liquiditätsentnahme der Gesellschafter hinweisen und bergen ein Risiko, falls diese Forderungen nicht fristgerecht beglichen werden.
Sinkende Liquidität:
Die liquiden Mittel sanken von 662.134 EUR auf 362.829 EUR (-45,2 %). Dies deutet auf einen erheblichen Mittelabfluss hin, der für ein ohnehin niedrig kapitalisiertes Unternehmen ein Warnsignal sein könnte.
2. Finanzierungsstruktur (Passiva)
Unverändertes Eigenkapital:
Das Eigenkapital blieb mit 750.000 EUR unverändert, was einer Eigenkapitalquote von 9,85 % entspricht (Vorjahr: 9,39 %). Diese geringe Quote weist auf eine hohe Abhängigkeit von Fremdkapital hin und macht das Unternehmen anfällig für Schwankungen bei Zinssätzen oder Cashflow-Problemen.
Rückstellungen:
Die Rückstellungen stiegen von 252.288 EUR auf 372.482 EUR (+47,7 %). Dies könnte auf gestiegene Unsicherheiten oder geplante Rückbauverpflichtungen hinweisen, insbesondere da die Gesellschaft für den Rückbau der Windenergieanlagen eine Bankbürgschaft über 161.000 EUR hinterlegt hat.
Hohe Verschuldung:
Die Verbindlichkeiten belaufen sich auf 6,41 Mio. EUR, was 84,2 % der Bilanzsumme ausmacht. Positiv ist, dass die Verbindlichkeiten im Vergleich zum Vorjahr um 7,1 % reduziert wurden. Dennoch bestehen langfristige Verbindlichkeiten von 5,77 Mio. EUR, von denen 3,99 Mio. EUR eine Restlaufzeit von über fünf Jahren haben. Diese sind zudem durch Pfandrechte auf die Anlagen besichert, was die finanzielle Flexibilität einschränkt.
3. Ertragslage und wirtschaftliche Perspektive
Kein Bilanzgewinn:
Wie im Vorjahr weist das Unternehmen keinen Bilanzgewinn aus. Für Anleger bedeutet dies, dass aktuell keine Ausschüttungen zu erwarten sind.
Hohe Abhängigkeit von Sachanlagen:
Die starke Abhängigkeit von Sachanlagen und die fehlende Diversifikation könnten bei Betriebsausfällen oder Reparaturbedarf zu erheblichen Risiken führen.
Kein Personal:
Die Gesellschaft beschäftigte 2023 keine Mitarbeiter. Dies weist darauf hin, dass der Betrieb vermutlich vollständig ausgelagert ist. Während dies Kosten sparen kann, könnte es auch die Kontrolle über den operativen Betrieb verringern.
4. Chancen und Risiken für Anleger
Chancen:
Stabiles Geschäftsmodell:
Windparks profitieren langfristig von der wachsenden Nachfrage nach erneuerbaren Energien. Die Gesellschaft könnte von Förderprogrammen oder steigenden Strompreisen profitieren.
Rückgang der Verbindlichkeiten:
Die Reduzierung der Verbindlichkeiten um 487.003 EUR zeigt eine erste Entlastung der Bilanz.
Risiken:
Geringe Eigenkapitalquote:
Mit einer Quote unter 10 % ist die finanzielle Stabilität des Unternehmens äußerst fragil. Eine stärkere Eigenkapitalbasis wäre notwendig, um langfristige Risiken besser abzufangen.
Interne Forderungen gegenüber Gesellschaftern:
Die stark gestiegenen Forderungen gegenüber Gesellschaftern könnten auf eine erhöhte Mittelentnahme hinweisen, was die Liquidität weiter belastet.
Hohe Abhängigkeit von Fremdkapital:
Die langfristigen Verbindlichkeiten sind mit Pfandrechten besichert, was die Flexibilität bei neuen Investitionen stark einschränkt.
Fehlende Gewinnperspektiven:
Der ausbleibende Bilanzgewinn und die stagnierenden Investitionen könnten auf Probleme bei der Rentabilität des Betriebs hinweisen.
5. Fazit
Die 149. WestWind Windpark GmbH & Co. KG befindet sich in einer angespannten finanziellen Lage. Während die Reduzierung der Verbindlichkeiten und die stabilen Einnahmen aus dem Betrieb der Windanlagen positiv zu bewerten sind, bleibt die geringe Eigenkapitalquote ein erhebliches Risiko für Anleger.
Insbesondere die steigenden internen Forderungen und die sinkende Liquidität werfen Fragen zur finanziellen Stabilität auf. Für Investoren ist Vorsicht geboten: Eine detaillierte Prüfung des operativen Geschäfts und der langfristigen Strategie des Unternehmens ist dringend zu empfehlen, bevor eine Investitionsentscheidung getroffen wird.