Der Jahresabschluss der WKN Windpark Wölsickendorf-Wollenberg GmbH & Co. KG zeigt ein gemischtes Bild. Während der Windpark weiterhin hohe Vermögenswerte und stabile Erträge aus dem Betrieb der Anlagen aufweist, deutet die finanzielle Struktur auf Risiken hin, insbesondere durch die geringe Eigenkapitalquote, hohe Verschuldung und langfristige finanzielle Verpflichtungen. Nachfolgend werden die wichtigsten Punkte aus Anlegersicht kritisch, aber fair beleuchtet.
1. Vermögensstruktur (Aktiva)
Anlagevermögen
Das Anlagevermögen ist mit 41,66 Mio. EUR der dominierende Posten und macht 94 % der Bilanzsumme aus. Im Vergleich zum Vorjahr ist ein Rückgang um 4,5 % (rund 1,99 Mio. EUR) erkennbar, der auf planmäßige Abschreibungen zurückzuführen ist. Es wurden keine außerplanmäßigen Abschreibungen vorgenommen, und Investitionen in neue Anlagen oder Modernisierungen sind nicht erkennbar.
Chancen: Die langfristige Nutzung der Anlagen bietet stabile Einnahmen, sofern diese technisch gut gewartet werden.
Risiko: Fehlende Neuinvestitionen könnten die Wettbewerbsfähigkeit langfristig gefährden, insbesondere bei älter werdenden Anlagen.
Umlaufvermögen
Das Umlaufvermögen sank drastisch von 5,59 Mio. EUR auf 2,68 Mio. EUR (-52 %). Besonders auffällig ist der Rückgang der liquiden Mittel von 4,58 Mio. EUR auf 1,59 Mio. EUR. Die Forderungen stiegen leicht, während Vorräte komplett abgebaut wurden.
Risiko: Die stark gesunkene Liquidität könnte die Flexibilität der Gesellschaft einschränken, unerwartete Kosten oder Investitionen zu finanzieren.
Rechnungsabgrenzungsposten
Die aktiven Rechnungsabgrenzungsposten sind mit 104.387 EUR (Vorjahr: 107.584 EUR) vergleichsweise gering und haben sich kaum verändert.
2. Finanzierungsstruktur (Passiva)
Eigenkapital
Das Eigenkapital beträgt 1,21 Mio. EUR und entspricht einer Eigenkapitalquote von 2,7 % (Vorjahr: 4,1 %). Der Rückgang ist hauptsächlich auf den Bilanzverlust von 44.305 EUR zurückzuführen.
Risiko: Die extrem niedrige Eigenkapitalquote macht die Gesellschaft sehr anfällig für finanzielle Risiken, wie unerwartete Kostensteigerungen oder Einnahmeausfälle. Eine Überschuldung könnte schnell eintreten.
Rückstellungen
Die Rückstellungen sanken von 918.481 EUR auf 275.205 EUR (-70 %). Der Rückgang deutet darauf hin, dass ungewisse Verbindlichkeiten teilweise abgewickelt wurden. Dennoch sind Rückstellungen in einer solch geringen Höhe angesichts der langfristigen Verpflichtungen ungewöhnlich.
Risiko: Eine Unterbewertung der Rückstellungen könnte künftige Jahresabschlüsse belasten.
Verbindlichkeiten
Die Verbindlichkeiten belaufen sich auf 42,50 Mio. EUR und machen 95,6 % der Bilanzsumme aus. Der Rückgang um rund 3,55 Mio. EUR ist positiv, dennoch bleibt die Abhängigkeit von Fremdkapital sehr hoch.
Verbindlichkeiten gegenüber Kreditinstituten: 30,59 Mio. EUR, vollständig durch Sicherungsübereignung, Verpfändungen und Abtretungen gesichert.
Verbindlichkeiten aus Gesellschafterdarlehen: 11,1 Mio. EUR, unverändert zum Vorjahr.
Risiko: Die Sicherungsübereignung der Windenergieanlagen und die Verpfändung der Einspeiseerlöse schränken die finanzielle Flexibilität massiv ein. Zudem könnte der hohe Fremdkapitalanteil bei steigenden Zinsen oder schwankenden Einnahmen problematisch werden.
Passive latente Steuern
Die passiven latenten Steuern stiegen von 373.428 EUR auf 459.858 EUR (+23 %). Dies deutet auf steuerliche Effekte aus unterschiedlichen Bewertungen zwischen Handels- und Steuerbilanz hin.
3. Ertragslage
Die Gesellschaft verzeichnet einen Bilanzverlust von 44.305 EUR, im Gegensatz zu einem ausgeglichenen Ergebnis im Vorjahr. Dies deutet auf eine Verschlechterung der operativen Ertragslage hin. Positiv zu vermerken ist, dass die Verbindlichkeiten leicht reduziert wurden, was auf eine gewisse Disziplin beim Schuldenabbau hinweist.
Risiko: Der Verlust mindert die ohnehin schon geringe Eigenkapitalbasis und zeigt, dass die operativen Erträge nicht ausreichen, um die Belastungen vollständig zu decken.
4. Langfristige finanzielle Verpflichtungen
Neben den bilanzierten Verbindlichkeiten bestehen zusätzliche langfristige finanzielle Verpflichtungen in Höhe von 807.000 EUR aus Pacht-, Wartungs- und Betriebsführungsverträgen, die teilweise bis ins Jahr 2040 laufen.
Risiko: Diese Verpflichtungen stellen eine zusätzliche Belastung dar und schmälern den finanziellen Spielraum des Unternehmens.
5. Chancen und Risiken aus Anlegersicht
Chancen:
Nachhaltige Einnahmen: Die Windenergiebranche profitiert von langfristigen Einspeiseverträgen und der politischen Unterstützung erneuerbarer Energien.
Fremdkapitalabbau: Die Reduktion der Verbindlichkeiten zeigt eine erste Entlastung der Bilanz.
Stabile Sachanlagen: Die Windenergieanlagen sichern die Grundstruktur der Einnahmen und haben langfristig Bestand.
Risiken:
Extrem niedrige Eigenkapitalquote: Die geringe Eigenkapitalbasis macht das Unternehmen anfällig für finanzielle Krisen.
Hohe Abhängigkeit von Fremdkapital: Der Großteil der Vermögenswerte ist durch Sicherheiten belastet, was die finanzielle Flexibilität stark einschränkt.
Sinkende Liquidität: Der Rückgang der flüssigen Mittel birgt das Risiko, dass unerwartete Kosten nicht gedeckt werden können.
Fehlende Investitionen: Der Substanzverlust bei den Anlagen und die ausbleibenden Neuinvestitionen gefährden langfristig die Wettbewerbsfähigkeit.
Langfristige Verpflichtungen: Die laufenden Pacht- und Wartungskosten belasten die zukünftigen Erträge erheblich.
6. Fazit
Die WKN Windpark Wölsickendorf-Wollenberg GmbH & Co. KG operiert in einem zukunftsträchtigen Markt, hat jedoch mit erheblichen finanziellen Schwächen zu kämpfen. Die extrem niedrige Eigenkapitalquote, die hohe Fremdkapitalbelastung und der Rückgang der Liquidität stellen erhebliche Risiken dar. Gleichzeitig bietet das Geschäftsmodell mit stabilen Einspeisevergütungen eine gewisse Sicherheit, sofern keine unerwarteten Kosten auftreten.
Für Anleger ist dieses Unternehmen aufgrund der hohen Risiken und der schwachen Eigenkapitalbasis nur bedingt attraktiv. Nachhaltigkeitsorientierte Anleger könnten dennoch Interesse zeigen, da die Windkraftbranche politisch unterstützt wird. Renditeorientierte Investoren sollten jedoch vorsichtig sein, da die finanzielle Stabilität des Unternehmens langfristig gefährdet sein könnte.