Thailand hat ein historisches Kapitel in der Geschichte der LGBTQ+-Rechte geschrieben. Mit dem Inkrafttreten des neuen Gesetzes zur gleichgeschlechtlichen Ehe am vergangenen Donnerstag feierte das Land einen bedeutenden Schritt in Richtung Gleichberechtigung. Hunderte Paare im ganzen Land ließen ihre Beziehung offiziell anerkennen und erhielten ihre ersehnten Heiratsurkunden. Diese Gesetzesänderung markiert nicht nur einen Triumph für die thailändische LGBTQ+-Gemeinde, sondern zeigt auch den tiefgreifenden Wandel in der thailändischen Gesellschaft.
Feiern in ganz Thailand
Die Legalisierung wurde mit landesweiten Festlichkeiten begangen. Eines der ersten Paare, das ihre Ehe registrierte, war Pisit „Kew“ Sirihirunchai, ein Polizeibeamter, und sein langjähriger Partner Chanatip „Jane“ Sirihirunchai. Sie waren das sechste Paar, das im Rahmen einer Feier in einem von Bangkoks renommierten Einkaufszentren ihre Ehe offiziell eintragen ließ. Die Veranstaltung wurde von Stadtbeamten organisiert und bot ein buntes Spektakel mit Fotoboxen, kostenlosen Cupcakes und sogar Flugtickets für das erstregistrierte Paar in einem der Bezirke.
„Die Regenbogenflagge weht hoch über Thailand“, schrieb Premierministerin Paetongtarn Shinawatra auf Facebook. Für viele Paare war dieser Tag ein emotionaler Höhepunkt ihres Lebens, mit strahlenden Gesichtern und Freudentränen, während sie ihre offiziellen Heiratsurkunden entgegennahmen.
Ein Meilenstein war besonders die Gesetzesänderung im thailändischen Zivilrecht, die geschlechterneutral gestaltet ist und gleiche Rechte für gleichgeschlechtliche Paare garantiert, darunter das Recht, Vermögenswerte gemeinsam zu verwalten, einander im Krankheitsfall zu vertreten und auch zu adoptieren.
Persönliche Geschichten
Für Pisit und Chanatip war die Legalisierung ein lang ersehnter Moment. Seit sieben Jahren ein Paar, hatten sie sich einst eine neue, gemeinsame Nachnamen durch einen buddhistischen Mönch geben lassen, um ihre Verbindung symbolisch zu festigen. Mit dem neuen Gesetz wurde ihre Partnerschaft nun offiziell untermauert. „Das ist perfekt für uns. Das Gesetz schützt jetzt unsere Rechte“, sagte Pisit, der hofft, mit seinem Partner eine gemeinsame Zukunft aufzubauen, ein Haus zu errichten und vielleicht ein Café zu eröffnen.
Auch andere Paare teilten ihre bewegenden Geschichten. Ploynaplus Chirasukon und Kwanporn Kongpetch, das erste Paar, das im Bangkok Mall heiratete, hatten 17 Jahre auf diesen Moment gewartet. Für viele älteren Paare, wie Rungtiwa Thangkanopast und ihre Partnerin Phanlavee, war es der Abschluss eines fast zwei Jahrzehnte andauernden Kampfes. Beide Frauen hatten bereits 2013 erfolglos versucht, ihre Ehe registrieren zu lassen, wurden jedoch von den Behörden abgelehnt und zudem von der Gesellschaft verspottet. Dank des neuen Gesetzes fühlen sie sich nun endlich als legitime Familie anerkannt.
Der lange Weg zur rechtlichen Gleichstellung
Der Weg zur Legalisierung der gleichgeschlechtlichen Ehe in Thailand war lang und voller Hürden. Bereits in den frühen 2010er Jahren begannen Aktivisten, die Regierung dazu aufzufordern, die Ehegesetze zu überarbeiten. Zwar wurde 2014 ein Gesetzesentwurf zur Einführung einer zivilrechtlichen Partnerschaft für gleichgeschlechtliche Paare vorgelegt, jedoch wurde dieser Versuch durch einen Militärputsch unterbrochen. Erst ein Jahrzehnt später, dank des Aufstiegs progressiver politischer Parteien und sich wandelnder öffentlicher Einstellungen, konnte der Durchbruch erzielt werden.
Das Gesetz wurde im Juni 2022 mit einer überwältigenden Mehrheit im Parlament verabschiedet und im September vom thailändischen König bestätigt. Dass selbst das konservative thailändische Oberhaus mit überwältigender Mehrheit dafür stimmte, zeigt den gesellschaftlichen Wandel im Land.
Herausforderungen und zukünftige Ziele
Trotz des großen Erfolges bleiben noch Hürden. Zahlreiche gesetzliche Regelungen, wie beispielsweise das Surrogacy-Gesetz, sind weiterhin nicht geschlechterneutral gestaltet. Auch können Transpersonen in Thailand ihre bevorzugte Geschlechtsidentität nicht in offiziellen Dokumenten festhalten. Aktivisten betonen, dass der Kampf für vollständige Gleichstellung noch nicht vorbei ist.
Für viele ältere Paare, wie Chakkrit „Ink“ Vadhanavira und seinen Partner Prinn, beide in ihren Vierzigern und seit mehr als zwei Jahrzehnten ein Paar, brachte das neue Gesetz große Erleichterung. „Wir haben jetzt die gleiche Legitimität wie heterosexuelle Paare“, betonte Prinn. Bisher waren sie auf rechtlich komplizierte Lösungen, wie etwa Adoption, angewiesen, um ihre Partnerschaft abzusichern. Mit der neuen Gesetzgebung stehen ihnen nun klar geregelte Rechte zu.
Fazit
Die Einführung der gleichgeschlechtlichen Ehe in Thailand ist ein bedeutendes Symbol für Fortschritt und Toleranz in einer Region, in der LGBTQ+-Rechte noch oft eingeschränkt sind. Die Errungenschaften von Aktivisten und die wachsende Akzeptanz in der thailändischen Gesellschaft sind ein Beweis für die Kraft des Wandels. Während noch einige rechtliche Hindernisse bestehen, markiert diese Entwicklung einen gewaltigen Schritt nach vorne – nicht nur für Thailand, sondern für die globale LGBTQ+-Gemeinschaft.