Factoring ist eine Finanzdienstleistung, bei der Unternehmen ihre offenen Forderungen (z. B. Rechnungen an Kunden) an einen Factoring-Dienstleister (auch „Factor“ genannt) verkaufen, um schnell an liquide Mittel zu gelangen. Der Factor übernimmt dabei in der Regel nicht nur die Finanzierung, sondern oft auch das Mahnwesen und das Risiko eines Forderungsausfalls.
Es gibt verschiedene Arten von Factoring, doch die Grundidee ist immer ähnlich: Unternehmen verkaufen ihre Forderungen, erhalten dafür sofort einen Großteil des Rechnungsbetrags ausgezahlt und müssen nicht auf die Zahlung des Kunden warten.
Wie funktioniert Factoring?
- Rechnungsausstellung
Das Unternehmen (der „Factoring-Kunde“) stellt eine Rechnung an seinen Kunden, z. B. für gelieferte Waren oder Dienstleistungen. - Verkauf der Forderung
Statt darauf zu warten, dass der Kunde die Rechnung begleicht (z. B. nach 30, 60 oder 90 Tagen Zahlungsziel), verkauft das Unternehmen diese Forderung an einen Factoring-Anbieter. - Sofortige Auszahlung
Der Factoring-Dienstleister zahlt dem Unternehmen sofort einen Großteil der Rechnungssumme aus, typischerweise 80–90 %. Die verbleibenden 10–20 % werden einbehalten und später (abzüglich Gebühren) ausgezahlt, sobald der Kunde die Rechnung beglichen hat. - Eintreibung der Forderung
Der Factoring-Anbieter übernimmt die Aufgabe, die Rechnung beim Kunden einzutreiben. Je nach Art des Factorings bleibt das Risiko eines Zahlungsausfalls beim Factoring-Kunden (Regress-Factoring) oder wird vom Factor übernommen (echtes Factoring).
Für wen ist Factoring interessant?
Factoring ist besonders interessant für Unternehmen, die:
- Schnelle Liquidität benötigen
Wenn Unternehmen regelmäßig hohe Außenstände haben und auf ihre Forderungen wochen- oder monatelang warten müssen, kann Factoring dabei helfen, schnell an Bargeld zu kommen. Das ist vor allem wichtig für kleine und mittlere Unternehmen (KMU) oder Start-ups mit begrenzten Rücklagen. - Zahlungsziele verlängern möchten
Viele Kunden erwarten lange Zahlungsziele (z. B. 60 oder 90 Tage). Unternehmen können dank Factoring solche großzügigen Konditionen anbieten, ohne selbst in finanzielle Engpässe zu geraten. - Ihr Ausfallrisiko minimieren möchten
Im Falle von echtem Factoring übernimmt der Factoring-Dienstleister das Risiko, falls ein Kunde nicht zahlt. Das ist besonders hilfreich, wenn ein Unternehmen in Branchen tätig ist, in denen das Ausfallrisiko hoch ist. - Entlastung bei Verwaltungsaufgaben suchen
Factoring-Anbieter übernehmen oft auch das Mahnwesen, die Überprüfung der Bonität der Kunden und das Debitorenmanagement. Das spart Zeit und Ressourcen. - Wachstum finanzieren möchten
Unternehmen, die schnell wachsen, benötigen oft zusätzliches Kapital, um in Rohstoffe, Personal oder neue Projekte zu investieren. Factoring ermöglicht es, dieses Kapital durch Forderungsverkauf freizusetzen.
Vor- und Nachteile von Factoring
Vorteile:
- Schnelle Liquidität: Geld fließt direkt nach dem Forderungsverkauf.
- Verbesserte Planungssicherheit: Zahlungsströme werden vorhersehbarer.
- Schutz vor Zahlungsausfall (bei echtem Factoring): Das Ausfallrisiko wird ausgelagert.
- Entlastung im Mahnwesen: Der Factor übernimmt das Forderungsmanagement.
Nachteile:
- Kosten: Factoring-Anbieter verlangen Gebühren, die von der Rechnungsgröße, dem Risiko und dem Volumen abhängen (ca. 0,5–4 % der Forderung).
- Abhängigkeit: Bei langfristigem Factoring kann eine Abhängigkeit vom Dienstleister entstehen.
- Reputationsrisiken: Manche Kunden könnten negativ auf die Einschaltung eines Factoring-Unternehmens reagieren.
Wer nutzt Factoring typischerweise?
Factoring wird branchenübergreifend genutzt, ist aber besonders verbreitet in:
- Handel und Großhandel
- Transport und Logistik
- Dienstleistungsbranchen
- Produzierendem Gewerbe
- Start-ups und KMUs, die häufig mit Cashflow-Problemen kämpfen
Zusammenfassung:
Factoring ist eine Möglichkeit für Unternehmen, schnell Liquidität zu schaffen und Risiken auszugleichen, indem sie ihre Forderungen verkaufen. Es eignet sich besonders für Unternehmen mit längeren Zahlungszielen oder solchen, die schneller Kapital für Investitionen benötigen. Obwohl mit Factoring Kosten verbunden sind, kann es ein strategisches Instrument zur Verbesserung des Cashflows und der Stabilität eines Unternehmens sein.