Tilo Ebner, wenn man diese letzte im Unternehmensregister hinterlegte Bilanz liest, dann kann man die Gründung einer IG durch Sie gut nachvollziehen.
Die Bilanz der Finanz Trend Finanz und Versicherungsmakler GmbH für das Geschäftsjahr 2022 zeigt ein gemischtes Bild der wirtschaftlichen Lage des Unternehmens. Während es Umsätze generiert, gibt es deutliche Anzeichen für finanzielle Schwierigkeiten. Im Folgenden wird die Bilanz kritisch betrachtet, um auf potenzielle Probleme und Auffälligkeiten hinzuweisen.
1. AKTIVA – Vermögensseite der Bilanz
Anlagevermögen (3.954,86 EUR)
Die Positionen des Anlagevermögens sind sehr gering:
Immaterielle Vermögensgegenstände (437,64 EUR)
Sachanlagen (3.517,22 EUR)
Das geringe Anlagevermögen deutet darauf hin, dass das Unternehmen kaum langfristige Investitionen in Vermögenswerte getätigt hat. Dies ist für ein Unternehmen dieser Größe nicht ungewöhnlich, kann jedoch auch ein Zeichen dafür sein, dass der Betrieb auf knappen Ressourcen basiert und wenig Kapitalbindung aufweist.
Kritik:
Das niedrige Anlagevermögen könnte die langfristige Stabilität beeinträchtigen, da keine substanziellen Werte vorhanden sind, die für Kreditverhandlungen oder als Sicherheiten dienen könnten.
Umlaufvermögen (23.797,00 EUR)
Forderungen und sonstige Vermögensgegenstände: 16.819,66 EUR
Kassenbestand und Bankguthaben: 6.977,34 EUR
Das Umlaufvermögen ist die dominierende Position der Aktiva. Allerdings zeigt der hohe Anteil an Forderungen, dass ein Teil der liquiden Mittel gebunden ist. Wenn diese Forderungen nicht zeitnah einbringbar sind, könnte dies die Zahlungsfähigkeit des Unternehmens gefährden. Der Kassenbestand von knapp 7.000 EUR erscheint gering, insbesondere im Verhältnis zu den Verbindlichkeiten (siehe Passiva).
Kritik:
Es bleibt fraglich, ob die Forderungen werthaltig sind und fristgerecht eingehen. Ein detaillierter Blick auf die Forderungsstruktur wäre notwendig, um potenzielle Risiken zu identifizieren.
Die geringe Liquidität (Kassenbestand und Bankguthaben) könnte zu Schwierigkeiten bei der Deckung kurzfristiger Verbindlichkeiten führen.
Rechnungsabgrenzungsposten (575,00 EUR)
Dieser Posten ist vergleichsweise unbedeutend, aber korrekt aufgeführt.
2. PASSIVA – Finanzierung der Bilanz
Eigenkapital (37.592,81 EUR)
Gezeichnetes Kapital: 32.106,66 EUR
Gewinn-/Verlustvortrag: 43.607,52 EUR
Bilanzverlust: -38.121,37 EUR
Das Eigenkapital ist mit 37.592,81 EUR positiv, wird aber durch den hohen Bilanzverlust von 38.121,37 EUR deutlich geschwächt. Die Tatsache, dass das Unternehmen in diesem Geschäftsjahr einen erheblichen Jahresfehlbetrag ausgewiesen hat, deutet auf operative Probleme hin. Der Verlust wird direkt auf das Eigenkapital durchgeschlagen.
Kritik:
Das Eigenkapitalpolster ist gering. Sollten weitere Verluste entstehen, besteht die Gefahr, dass das Eigenkapital aufgebraucht wird, was eine bilanzielle Überschuldung zur Folge hätte.
Verbindlichkeiten (11.449,44 EUR gegenüber Kreditinstituten)
Die Verbindlichkeiten gegenüber Kreditinstituten belaufen sich auf 11.449,44 EUR, was einem moderaten Anteil an der Bilanzsumme entspricht. Allerdings wird in der Position „Sonstige Verbindlichkeiten“ ein negativer Betrag von -20.715,39 EUR ausgewiesen, der ungewöhnlich ist und darauf hinweist, dass hier möglicherweise buchhalterische Unstimmigkeiten vorliegen.
Kritik:
Der negative Betrag bei den sonstigen Verbindlichkeiten ist unklar und deutet möglicherweise auf Fehler in der Bilanzierung hin. Solche Fehler sollten dringend geprüft und korrigiert werden.
Insgesamt ist die Verschuldung gering, was positiv erscheint, aber angesichts des niedrigen Eigenkapitals bleibt der finanzielle Spielraum eingeschränkt.
3. Gewinn- und Verlustrechnung
Umsatzerlöse (1.674.049,62 EUR)
Die Umsatzerlöse sind für ein Unternehmen dieser Größenordnung solide. Sie zeigen, dass das Unternehmen ein funktionierendes Geschäftsmodell hat und am Markt aktiv ist.
Materialaufwand (1.582.009,12 EUR)
Der Materialaufwand macht rund 94 % der Umsatzerlöse aus. Dies deutet auf extrem geringe Margen hin, die die Rentabilität des Unternehmens stark einschränken.
Kritik:
Ein solch hoher Materialaufwand im Verhältnis zu den Umsätzen zeigt, dass das Unternehmen kaum Spielraum für Gewinne hat. Die Geschäftsführung sollte prüfen, ob Kosten reduziert oder die Preise angepasst werden können, um die Margen zu erhöhen.
Personalaufwand (59.066,44 EUR)
Der Personalaufwand ist im Verhältnis zu den Umsatzerlösen gering, was auf eine schlanke Personalstruktur hindeutet.
Kritik:
Während der geringe Personalaufwand kurzfristig Kosten spart, könnte dies langfristig zu Engpässen bei der Arbeitskapazität und -qualität führen.
Sonstige betriebliche Aufwendungen (insgesamt -48.513,98 EUR)
Die Aufschlüsselung zeigt, dass ein erheblicher Anteil der Aufwendungen auf Raumkosten, Fahrzeugkosten und verschiedene betriebliche Kosten entfällt.
Kritik:
Es sollte geprüft werden, ob diese Kosten unverhältnismäßig hoch sind und ob Einsparpotenziale bestehen.
Jahresfehlbetrag (-38.121,37 EUR)
Der Jahresfehlbetrag ist ein deutlicher Warnhinweis. Das Unternehmen konnte nicht kostendeckend arbeiten, was entweder auf operative Schwächen oder strukturelle Probleme hindeutet.
4. Allgemeine Bewertung der wirtschaftlichen Lage
Stärken:
Solide Umsatzerlöse: Das Unternehmen erzielt Umsätze in Höhe von über 1,6 Millionen EUR, was auf eine stabile Marktnachfrage hinweist.
Moderate Verschuldung: Die Verbindlichkeiten sind im Verhältnis zur Bilanzsumme nicht außergewöhnlich hoch, was positiv für die finanzielle Stabilität ist.
Schwächen:
Geringe Margen: Der extrem hohe Materialaufwand lässt kaum Raum für Gewinne, was die langfristige Rentabilität gefährdet.
Jahresfehlbetrag: Der Verlust in Höhe von -38.121,37 EUR ist ein deutlicher Hinweis auf wirtschaftliche Probleme.
Geringe Liquidität: Die liquiden Mittel sind niedrig, was das Unternehmen anfällig für Zahlungsengpässe macht.
Fehlerhafte Bilanzposition: Der negative Betrag bei den sonstigen Verbindlichkeiten könnte auf buchhalterische oder organisatorische Schwächen hinweisen.
Empfehlungen zur Verbesserung
Kostenmanagement:
Den Materialaufwand kritisch prüfen und Verhandlungen mit Lieferanten führen, um bessere Konditionen zu erzielen.
Sonstige betriebliche Aufwendungen durch genaue Kostenanalysen optimieren.
Margen erhöhen:
Die Preisgestaltung sollte überprüft werden, um sicherzustellen, dass die Produkte oder Dienstleistungen kostendeckend und rentabel sind.
Liquidität verbessern:
Maßnahmen zur Erhöhung des Kassenbestands prüfen, z. B. durch schnellere Einbringung von Forderungen oder Anpassung der Zahlungsziele.
Bilanzkorrektur:
Die Position „Sonstige Verbindlichkeiten“ mit negativem Vorzeichen sollte dringend geprüft und gegebenenfalls korrigiert werden, um die Aussagekraft der Bilanz zu gewährleisten.
Prüfung des Geschäftsmodells:
Es sollte hinterfragt werden, ob das Geschäftsmodell langfristig tragfähig ist oder ob strukturelle Änderungen notwendig sind.
Fazit
Die Finanz Trend Finanz und Versicherungsmakler GmbH zeigt sowohl Stärken als auch Schwächen. Die Umsätze sind stabil, doch die Rentabilität wird durch hohe Kosten stark beeinträchtigt. Der Jahresfehlbetrag und die geringe Liquidität stellen kritische Risiken dar, die zeitnah angegangen werden sollten. Eine genaue Analyse der Kostenstruktur und ein Fokus auf die Verbesserung der Margen sind essenziell, um die finanzielle Situation zu stabilisieren und zukünftige Verluste zu vermeiden.