Haustiere gelten oft als Glücksbringer und treue Begleiter, die das Leben ihrer Besitzer bereichern. Doch eine neue Untersuchung für den SKL-Glücksatlas zeigt, dass der positive Einfluss von Haustieren auf das Wohlbefinden oft überschätzt wird. Die Studie basiert auf Daten des Sozio-oekonomischen Panels und liefert überraschende Einblicke in die tatsächliche Verbindung zwischen Haustierhaltung und Lebenszufriedenheit.
Kaum Unterschiede zwischen Tierhaltern und Nicht-Tierhaltern
Die Studie zeigt, dass der Unterschied in der Lebenszufriedenheit zwischen Menschen mit und ohne Haustiere minimal ist:
- Tierhalter erreichen einen durchschnittlichen Zufriedenheitswert von 7,34 Punkten auf einer Skala von null bis zehn.
- Menschen ohne Haustiere liegen mit 7,38 Punkten sogar leicht darüber.
Diese Ergebnisse deuten darauf hin, dass Haustiere für viele Menschen zwar eine wichtige Rolle spielen, aber nicht automatisch zu einem spürbaren Anstieg der Lebenszufriedenheit führen.
Haushaltskonstellation und Tierwahl entscheidend
Der Glückseffekt durch Haustiere hängt stark von individuellen Faktoren ab:
- Haushaltskonstellation: Besonders in Familien mit Haustieren zeigt die Studie, dass die Lebenszufriedenheit oft geringer ist als in Familien ohne Tiere. Dies könnte mit der zusätzlichen Verantwortung, den Kosten und der Pflege verbunden sein, die die Tierhaltung mit sich bringt.
- Bedürfnisse und Erwartungen: Menschen, die ein Haustier aus einem starken emotionalen Bedürfnis heraus anschaffen, könnten enttäuscht werden, wenn ihre Erwartungen nicht erfüllt werden. Haustiere erfordern Zeit, Pflege und finanzielle Mittel, was bei manchen Besitzern zu Stress führen kann.
- Art des Haustiers: Nicht jedes Tier passt zu jedem Lebensstil. Während Hunde oft als soziale Tiere gelten, die den Kontakt zu anderen Menschen fördern, können Katzen oder andere Tiere eher passiv und unabhängig sein.
Familien oft unzufriedener
Ein besonders auffälliges Ergebnis der Untersuchung ist, dass Familien mit Haustieren tendenziell weniger zufrieden sind als Familien ohne Tiere. Gründe könnten die zusätzlichen Herausforderungen sein, die mit der Pflege eines Haustiers einhergehen:
- Zeitaufwand: Die Betreuung eines Haustiers erfordert neben den alltäglichen Verpflichtungen in einer Familie zusätzliche Zeit.
- Finanzielle Belastung: Tierarztkosten, Futter und Zubehör können die Haushaltskasse erheblich belasten.
- Konflikte: Unterschiedliche Meinungen über die Erziehung oder Pflege des Tieres können Spannungen in der Familie auslösen.
Haustiere als individuelle Bereicherung
Trotz der Studienergebnisse bleibt die individuelle Beziehung zu Haustieren ein wichtiger Faktor. Für viele Menschen sind Tiere treue Begleiter, die emotionale Unterstützung bieten und Einsamkeit lindern können. Besonders bei allein lebenden Personen oder Senioren kann ein Haustier das Wohlbefinden spürbar steigern, indem es Struktur und soziale Interaktion fördert.
Fazit: Keine allgemeine Formel für Glück
Die Studie zeigt, dass Haustiere nicht per se ein Garant für mehr Lebenszufriedenheit sind. Ihr Einfluss hängt stark von individuellen Lebensumständen, Erwartungen und Bedürfnissen ab. Während für einige Menschen ein Haustier eine wichtige Quelle des Glücks und der Stabilität darstellt, kann es für andere auch eine Belastung sein.
Hinweis für potenzielle Tierhalter: Wer über die Anschaffung eines Haustiers nachdenkt, sollte nicht nur den emotionalen Aspekt, sondern auch die langfristigen Anforderungen und Verpflichtungen berücksichtigen. Ein gut durchdachter Entscheidungsprozess ist entscheidend, um die Beziehung zu einem Haustier zu einer positiven Erfahrung zu machen.