Im vergangenen Jahr wurde in Deutschland mehr als 200.000 Haushalten der Strom abgestellt, weil sie ihre Rechnungen nicht bezahlen konnten. Auch die Gasversorgung wurde in über 28.000 Fällen unterbrochen. Diese Zahlen gehen aus einer Antwort des Wirtschaftsministeriums auf eine Anfrage der Linksfraktion im Bundestag hervor.
Hohe Energiepreise belasten Haushalte
Caren Lay, Abgeordnete der Linken und zuständig für Wohnen, kritisierte die hohen Energiepreise scharf: „Für viele Menschen sind die Kosten für Strom und Gas eine unerträgliche Belastung. Die Zahl der Sperren zeigt, dass dringender Handlungsbedarf besteht.“ Besonders betroffen seien einkommensschwache Haushalte, die aufgrund der steigenden Lebenshaltungskosten immer häufiger in Zahlungsschwierigkeiten geraten.
Schwerpunkt in Nordrhein-Westfalen
Die Antwort des Wirtschaftsministeriums offenbart zudem eine regionale Konzentration der Stromsperren: Rund jede dritte Unterbrechung betraf einen Haushalt in Nordrhein-Westfalen. Damit ist das Bundesland Spitzenreiter bei den Stromabschaltungen. Die Gründe hierfür könnten in der hohen Bevölkerungsdichte, regionalen Einkommensunterschieden und den teils extrem gestiegenen Energiepreisen liegen.
Folgen für Betroffene
Eine Strom- oder Gassperre hat oft weitreichende Konsequenzen: Ohne Strom können Haushalte keine grundlegenden Geräte wie Kühlschrank, Herd oder Heizung nutzen. Auch Warmwasseraufbereitung und Licht stehen nicht zur Verfügung, was den Alltag massiv einschränkt. Besonders problematisch ist dies in der kalten Jahreszeit, wenn eine Sperre die Gesundheit gefährden kann.
Forderungen nach Maßnahmen
Die Linke fordert angesichts der Zahlen gezielte Maßnahmen, um Energiearmut zu bekämpfen. Caren Lay plädiert unter anderem für eine gesetzliche Deckelung der Energiepreise und einen besseren Schutz vor Strom- und Gassperren. „Kein Mensch darf im Winter im Dunkeln oder Kalten sitzen müssen. Es braucht verbindliche Regelungen, um Sperren zu verhindern“, so Lay.
Lösungsansätze
Experten schlagen zudem vor, Energieversorger stärker in die Verantwortung zu nehmen. Frühzeitige Beratungsangebote und Ratenzahlungsmodelle könnten dazu beitragen, Stromsperren zu vermeiden. Sozialverbände fordern außerdem einen Ausbau des Wohngelds und gezielte Zuschüsse für einkommensschwache Haushalte, um die Energiekosten bezahlbar zu machen.
Die Zahlen machen deutlich, dass die steigenden Energiepreise nicht nur ein finanzielles, sondern auch ein soziales Problem sind, das gezielte politische und wirtschaftliche Maßnahmen erfordert.