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Vergewaltigungs- und Menschenhandelsvorwürfe: Führendes Atman-Mitglied in U-Haft

Cindynhiart (CC0), Pixabay

Nach der Verhaftung des Gründers der internationalen Yoga-Bewegung Atman, Gregorian Bivolaru, sitzt nun auch ein weiteres hochrangiges Mitglied der Organisation in Untersuchungshaft. Der 55-jährige Mihai Stoian, einer der führenden Yoga- und Tantralehrer der Bewegung, wurde in Georgien festgenommen. Die Vorwürfe gegen ihn wiegen schwer: Menschenhandel, Entführung und Vergewaltigung. Stoian und seine Frau, die ebenfalls festgenommen wurde, befinden sich seit dem Spätsommer 2024 in Haft. Ihre Anwältin behauptet, das Paar werde aus religiösen Gründen verfolgt.

Teil eines internationalen Ermittlungsverfahrens

Die Festnahme steht im Zusammenhang mit einer umfangreichen internationalen Ermittlung, die von der französischen Justiz geleitet wird. Gregorian Bivolaru, der Gründer von Atman, ist bereits seit November 2023 in Untersuchungshaft. Ihm wird vorgeworfen, eine organisierte Bande geführt zu haben, die Frauen manipuliert, missbraucht und in einem Netzwerk des Menschenhandels ausgebeutet haben soll.

Einblick in die Atman-Bewegung

Atman ist eine weltweit aktive Yoga-Organisation mit Mitgliedsschulen in 29 Ländern, darunter auch die Deutsche Akademie für traditionelles Yoga (DAtY) mit mehreren Standorten in Deutschland. Bis Ende 2023 war Mihai Stoian eine zentrale Figur der Bewegung, besonders in Skandinavien. Auf seiner Webseite bezeichnet er Bivolaru als seinen „spirituellen Leiter“, dem er seit über 30 Jahren folge.

Frauen berichten von Missbrauch

In der BR-Podcast-Serie „Seelenfänger – Toxic Tantra“ schildern ehemalige Schülerinnen der Atman-Bewegung detailliert, wie sie in ein Geflecht aus Manipulation und Machtmissbrauch gerieten. Eine deutsche Yogaschülerin berichtete, dass sie auf einem Tantra-Retreat in Dänemark erstmals mit Stoian in Kontakt kam und später eine Einladung zu Bivolaru erhielt. Während sie die Bewegung verließ, schilderten andere Frauen, dass sie die Treffen mit Bivolaru als spirituelle Erweiterung anpriesen. Einige dieser Begegnungen endeten jedoch in Missbrauch, wie mehrere Frauen angaben.

Die französische Polizei beschattete Bivolaru über Monate hinweg. Laut Ermittlern empfing er in seinem Pariser Apartment regelmäßig bis zu zehn Frauen pro Woche. Im November 2023 wurde er im Rahmen einer großangelegten Razzia nahe Paris verhaftet. Die Ermittlungen richteten sich ursprünglich gegen 15 Verdächtige, von denen aktuell vier in Haft sind.

Menschenhandel und Geldwäsche als Geschäftsmodell

Nach BR-Recherchen war die Bewegung tief in illegale Aktivitäten verstrickt, die von Menschenhandel bis hin zu Geldwäsche reichten. Die Ermittlungen deuten darauf hin, dass Frauen aus verschiedenen Ländern rekrutiert wurden, um Bivolaru zu treffen. Diese Treffen, die als spirituelle „Initiationen“ bezeichnet wurden, endeten in vielen Fällen mit sexuellem Missbrauch.

Ermittlungen in weiteren Ländern

Die Ermittlungen haben sich inzwischen auf mehrere Länder ausgeweitet. Im Oktober 2024 durchsuchten dänische und französische Beamte zwei Standorte der Atman-Yogaschule Natha in Dänemark. Diese ist ebenfalls eng mit Stoian verbunden. Die Schule weist alle Vorwürfe zurück und betont, sie sei „nicht in illegale Aktivitäten verwickelt“. Auch in Deutschland laufen mittlerweile Ermittlungen. Die Staatsanwaltschaft Berlin unterstützt die französischen Behörden bei einem Rechtshilfeersuchen. Zudem wurden von mehreren ehemaligen Schülerinnen in Deutschland Anzeigen wegen Menschenhandels erstattet.

Atman-Aktivitäten laufen weiter

Trotz der Ermittlungen und zahlreicher schwerwiegender Vorwürfe setzt die Bewegung ihre Arbeit fort. Veranstaltungen wie ein Neujahrs-Retreat in Dänemark unter dem Motto „Die Flamme der Liebe neu entfachen“ sollen weiterhin durchgeführt werden. Die internationale Präsenz der Organisation, etwa in Großbritannien, Russland und Ungarn, bleibt ungebrochen.

Fazit

Die Ermittlungen gegen die Atman-Bewegung zeigen die dunklen Seiten einer vermeintlich spirituellen Organisation, die weltweit operiert und offenbar systematisch Frauen manipuliert und missbraucht hat. Während die französischen Behörden die Beweisaufnahme noch nicht abgeschlossen haben, werfen die Berichte von Betroffenen und die Enthüllungen der Ermittler ein erschreckendes Licht auf die Aktivitäten der Bewegung. Ob diese Verhaftungen das Ende der Atman-Bewegung bedeuten, bleibt unklar – ihre internationale Reichweite und Struktur stellen die Justiz vor enorme Herausforderungen.

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