Interviewer: Frau Bontschev, im Video wurden zahlreiche Dividenden-ETFs vorgestellt und empfohlen. Was sind aus rechtlicher Sicht die zentralen Punkte, die bei solchen Inhalten beachtet werden müssen?
Rechtsanwältin Bontschev: Solche Inhalte bewegen sich rechtlich im Bereich der Finanzwerbung und möglicherweise der Anlageberatung. Nach § 31 WpHG (Wertpapierhandelsgesetz) ist entscheidend, dass alle Informationen korrekt, klar und nicht irreführend dargestellt werden. Die Werbung darf keinesfalls den Eindruck erwecken, dass bestimmte Produkte risikolos oder garantiert lukrativ sind. Verbraucher müssen auch über Risiken und mögliche Verluste informiert werden.
Interviewer: Im Video wird erwähnt, dass vergangene Renditen nicht die zukünftige Entwicklung garantieren. Reicht dieser Hinweis aus, um den rechtlichen Anforderungen zu entsprechen?
Bontschev: Nein, dieser Hinweis ist zwar wichtig, aber keinesfalls ausreichend. Neben diesem Standardhinweis sollten auch konkrete Risiken erklärt werden. Dazu zählen beispielsweise Marktschwankungen, Währungsrisiken oder der Einfluss von wirtschaftlichen Krisen auf die Dividendenrendite. Auch eine transparente Darstellung von Kosten, wie Verwaltungsgebühren, ist erforderlich. Nur so können Anleger fundierte Entscheidungen treffen.
Interviewer: Das Video enthält Affiliate-Links und Sponsoring-Hinweise. Was gilt es hierbei zu beachten?
Bontschev: Transparenz ist hier das A und O. Nach § 5a UWG (Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb) müssen Affiliate-Links und gesponserte Inhalte klar als solche gekennzeichnet werden. Es muss unmissverständlich hervorgehen, dass der Ersteller des Videos von den Links oder dem Sponsoring finanziell profitiert. Zuschauer dürfen nicht den Eindruck gewinnen, dass die Produktempfehlungen objektiv sind, wenn tatsächlich finanzielle Interessen bestehen.
Interviewer: Im Video werden auch alternative Investments wie Sammlerstücke oder Luxusgüter beworben. Sind hier besondere rechtliche Aspekte zu beachten?
Bontschev: Ja, unbedingt. Diese Märkte unterliegen meist nicht den strengen Regulierungen wie klassische Finanzprodukte. Es ist wichtig, auf die spekulative Natur solcher Anlagen hinzuweisen. Verbraucher müssen wissen, dass hohe Renditen bei solchen Investments keinesfalls garantiert sind und die Werte stark schwanken können. Zudem sollte klar gemacht werden, dass diese Produkte nicht von der BaFin oder vergleichbaren Behörden reguliert sind.
Interviewer: Was droht Erstellern solcher Inhalte, wenn sie die gesetzlichen Vorgaben nicht einhalten?
Bontschev: Die Konsequenzen können erheblich sein. Wettbewerber oder Verbraucherschutzorganisationen könnten Abmahnungen aussprechen. Zudem könnten die BaFin oder andere Behörden Bußgelder verhängen. Sollten Anleger aufgrund irreführender oder unzureichender Informationen finanzielle Verluste erleiden, könnten diese Schadensersatzansprüche geltend machen. Gerade im Bereich der Finanzwerbung ist es also entscheidend, sich an die geltenden rechtlichen Vorgaben zu halten.
Interviewer: Ein Punkt, der im Video angesprochen wurde, ist die Kombination aus hoher Dividendenrendite und geringer Volatilität. Welche rechtlichen Fallstricke gibt es bei solchen Aussagen?
Bontschev: Solche Aussagen können schnell irreführend sein, wenn sie nicht klar relativiert werden. Hohe Dividendenrenditen sind oft mit höheren Risiken verbunden, etwa in volatilen Märkten oder bei finanziell angeschlagenen Unternehmen. Wird dies verschwiegen, könnte dies als irreführende Werbung ausgelegt werden. Aussagen wie „geringe Volatilität“ oder „stabile Renditen“ sollten stets mit konkreten Fakten untermauert werden.
Interviewer: Was würden Sie Anlegern raten, die sich für solche ETFs oder alternative Investments interessieren?
Bontschev: Anleger sollten sich nicht allein auf Informationen aus Videos oder Werbematerialien verlassen. Es ist wichtig, unabhängige Quellen zu prüfen und sich gegebenenfalls professionell beraten zu lassen. Zudem sollten sie nur in Produkte investieren, deren Risiken sie vollständig verstehen. Eine gründliche Recherche zu den Anbietern und den beworbenen Produkten ist unerlässlich.
Interviewer: Vielen Dank, Frau Bontschev, für Ihre Einschätzungen und Hinweise.
Bontschev: Gern geschehen, und ich hoffe, dass diese Punkte den Anlegern helfen, informierte und rechtssichere Entscheidungen zu treffen.