Zypern hat offiziell angekündigt, der NATO beitreten zu wollen. Präsident Nikos Christodoulidis erklärte im zyprischen Rundfunk, das EU-Mitglied werde zu gegebener Zeit einen Aufnahmeantrag stellen, ungeachtet des erwarteten Widerstands der Türkei. Diese ist bereits Mitglied des westlichen Verteidigungsbündnisses und lehnt eine NATO-Mitgliedschaft Zyperns kategorisch ab, solange die Insel weiterhin geteilt bleibt.
Hintergrund des Konflikts
Zypern ist seit 1974 geteilt, nachdem türkische Truppen den Nordteil der Insel besetzt hatten. Dies geschah als Reaktion auf einen von Griechenland unterstützten Putsch, der die Vereinigung der Insel mit Griechenland zum Ziel hatte. Seither gibt es die international anerkannte Republik Zypern im Süden und die nur von der Türkei anerkannte Türkische Republik Nordzypern im Norden. Ankara fordert, dass türkische Zyprer in Entscheidungsprozesse eingebunden werden, bevor Zypern einer Organisation wie der NATO beitreten darf.
EU- und NATO-Perspektive
Als EU-Mitglied sieht Zypern in einer NATO-Mitgliedschaft eine Chance, die Sicherheit der Insel in einem instabilen geopolitischen Umfeld zu stärken. Gleichzeitig könnte der Schritt die Zusammenarbeit zwischen der NATO und der EU intensivieren, da alle EU-Mitglieder – mit Ausnahme von Zypern und Irland – auch Teil der NATO sind.
Türkischer Widerstand erwartet
Präsident Christodoulidis räumte ein, dass die Türkei versuchen werde, Zyperns Beitrittsgesuch zu blockieren. NATO-Entscheidungen erfordern Einstimmigkeit, was Ankara eine starke Position verschafft. Dennoch betonte der zyprische Präsident, dass Nikosia fest entschlossen sei, diesen Schritt zu unternehmen.
Regionale Spannungen
Die Ankündigung erfolgt in einer Zeit erhöhter Spannungen im östlichen Mittelmeer, insbesondere durch Streitigkeiten um Gasvorkommen. Eine NATO-Mitgliedschaft Zyperns könnte die geopolitischen Dynamiken in der Region erheblich verändern, aber auch neue Konflikte mit der Türkei schüren.
Zukünftige Schritte
Zypern plant, den Beitrittsantrag sorgfältig vorzubereiten, um die Chancen auf Unterstützung der NATO-Partner zu maximieren. Gleichzeitig hofft Nikosia auf eine diplomatische Lösung mit Ankara, obwohl der Konflikt über die Teilung der Insel weiterhin ungelöst bleibt.