Hinter verschlossenen Toilettentüren lauern nicht nur unfreundliche Gase, sondern auch enorme Potenziale. Der Welttoilettentag am 19. November wirft ein Licht auf die Verbindung zwischen sanitären Einrichtungen und globalen Herausforderungen wie Klimawandel, Energiekrise und Gesundheit. Laut dem Stockholmer Umweltinstitut (SEI) ist der Abwassersektor für 17 % der weltweiten Methanemissionen verantwortlich – ein Treibhausgas, das 28-mal stärker wirkt als CO₂.
Wie Toiletten Treibhausgase erzeugen
Toiletten und Abwasseranlagen emittieren Methan und Lachgas, vor allem wenn menschliche Abfälle unter anaeroben Bedingungen (ohne Sauerstoff) zersetzt werden. In Ländern mit wachsenden sanitären Einrichtungen, wie Indien oder China, sind diese Emissionen in den letzten Jahrzehnten dramatisch gestiegen. Beispielsweise vervierfachten sich die Methanemissionen aus Grubenlatrinen in Indien zwischen 2015 und 2020.
Die Problematik wird durch die wachsende Urbanisierung und den zunehmenden Zugang zu Toiletten in Entwicklungsländern verstärkt. In Afrika südlich der Sahara könnten die Emissionen bis 2030 um 60 % ansteigen.
Lösungen: Nachhaltige Abwasserentsorgung
Forscher wie Daniel Ddiba vom SEI betonen, dass es viele Lösungen gibt, die Treibhausgasemissionen aus der Abwasserentsorgung zu reduzieren:
Angepasste Toilettensysteme: In Regionen ohne Kanalisation sollten Latrinen oberhalb des Grundwasserspiegels gebaut werden, um anaerobe Zersetzung zu minimieren. Auch häufigeres Leeren von Klärgruben kann Emissionen verringern.
Methanrückgewinnung: Moderne Kläranlagen können Methan auffangen und in Biomethan umwandeln. In Stockholm wird dieses Biomethan bereits genutzt, um 300 Busse anzutreiben.
Technologische Innovation: Forscher haben Technologien entwickelt, die Urin von Exkrementen trennen und in Nährstoffpulver umwandeln. Dieses kann als Dünger in der Landwirtschaft genutzt werden und reduziert gleichzeitig Lachgasemissionen.
Abwasser als Ressource statt Abfall
Experten sehen in Abwasser mehr als ein Problem. Es ist reich an Kohlenstoff, Stickstoff, Phosphor und Wasser – wertvolle Ressourcen, die in einem positiven Kreislauf genutzt werden können. Zum Beispiel lässt sich aus Abwasser Biokohle herstellen, die Kohlenstoff langfristig speichert, oder Düngemittel für die Landwirtschaft gewinnen.
Ein doppelter Ansatz ist notwendig
Die Reduzierung von Treibhausgasemissionen aus Abwasser erfordert Investitionen und Innovationen. Gleichzeitig muss die Infrastruktur widerstandsfähiger gegenüber Klimakatastrophen wie Überschwemmungen oder Dürren gemacht werden. Alexis de Kerchove, Nachhaltigkeitsexperte, betont: „Es reicht nicht, nur Anpassungsmaßnahmen zu ergreifen. Wir müssen gleichzeitig die Emissionen senken, die zur globalen Erwärmung beitragen.“
Fazit: Toiletten sind weit mehr als Alltagsgegenstände. Sie stehen im Zentrum globaler Herausforderungen und bieten zugleich Lösungen für Klimaschutz, Gesundheit und Energie. Mit nachhaltigen Technologien und einer klugen Infrastrukturplanung können sie Teil eines positiven Wandels werden – auch auf dem stillen Örtchen.