Die Anzahl der weltweit im Umlauf befindlichen Schusswaffen hat eine alarmierende Marke überschritten. Laut dem Small Arms Survey sind über eine Milliarde Klein- und Kleinkaliberwaffen registriert – doppelt so viele wie vor 20 Jahren. Dieser massive Anstieg wird durch die Zunahme bewaffneter Konflikte, den wachsenden globalen Waffenhandel und die Verbreitung illegaler Waffen begünstigt.
Ein globaler Handel mit tödlichen Folgen
Der illegale Handel mit Schusswaffen befeuert Gewalt und Konflikte auf der ganzen Welt. Rund 80 % der Kleinwaffen befinden sich in den Händen von Zivilisten, oft unreguliert. Insbesondere kriminelle Netzwerke, wie Drogenkartelle in Mexiko, nutzen diese Waffen. Mexiko verzeichnet jährlich etwa 30.000 Morde, die meisten davon durch Schusswaffen. Angesichts dieser Gewalt rüsten viele Bürger selbst auf – mehr als 13 Millionen nicht registrierte Waffen befinden sich allein in Mexiko im Umlauf.
Hersteller weltweit verteilt
Die Herstellung von Schusswaffen ist nicht länger auf Industrieländer beschränkt. Während Nordamerika weiterhin der größte Produzent und Exporteur ist, gibt es inzwischen bedeutende Produzenten in Regionen wie dem Nahen Osten, Lateinamerika, Mittelamerika und Afrika. Automatikpistolen sind laut UN die weltweit am häufigsten beschlagnahmten Schusswaffen, gefolgt von Karabinern und Jagdgewehren.
Waffenhandel und Kriegsverbrechen
Der unkontrollierte Waffenhandel verschärft bestehende Konflikte. Im Sudan zum Beispiel trägt ein kontinuierlicher Zustrom von Waffen aus Ländern wie Russland, China, der Türkei und den Vereinigten Arabischen Emiraten zu einem zerstörerischen Bürgerkrieg bei. Amnesty International dokumentierte, dass Waffen sogar in Regionen wie Darfur gelangen, trotz eines UN-Waffenembargos.
Ein weiteres Problem sind legale Waffen, die zu tödlichen Waffen umfunktioniert werden. Zum Beispiel werden Scharfschützengewehre, die offiziell für Sportschützen bestimmt sind, zu Kriegswaffen umgebaut. Auch die Herstellung von Waffen durch 3D-Drucker nimmt weltweit zu. 2023 wurden mehr als 200 Vorfälle mit 3D-gedruckten Waffen registriert, vor allem in Nordamerika und Europa.
Herausforderungen der Regulierung
Der Vertrag über den Waffenhandel (Arms Trade Treaty), der 2014 in Kraft trat, sollte den globalen Waffenhandel regulieren und den Export in Konfliktgebiete einschränken. Doch der Vertrag bleibt in seiner Wirkung begrenzt. Er sieht keine Sanktionen für Verstöße vor, und viele Vertragsstaaten halten sich nicht an die Berichtspflichten. Große Waffenexporteure wie die USA und Russland haben den Vertrag bisher nicht ratifiziert.
Trotzdem gibt es Fortschritte in Ländern, die den Vertrag in nationale Gesetze umgesetzt haben. Insgesamt haben 115 Staaten, darunter die Schweiz, den Vertrag ratifiziert.
Gefahren für die Zukunft
Die Verbreitung moderner Technologien wie 3D-Druck und die Diversifizierung der Waffenproduktion erschweren die Kontrolle des globalen Waffenhandels zunehmend. Ohne strengere Kontrollen und internationale Zusammenarbeit wird es immer schwieriger, die Zunahme von Gewalt und bewaffneten Konflikten einzudämmen.
Fazit
Die globale Verbreitung von Schusswaffen ist ein wachsendes Problem mit tödlichen Konsequenzen. Der Mangel an effektiver Regulierung und die Zunahme illegaler Herstellungsmethoden verschärfen die Situation. Eine stärkere internationale Zusammenarbeit und die konsequente Umsetzung bestehender Gesetze sind dringend erforderlich, um die Ausbreitung dieser tödlichen Bedrohung einzudämmen.