Ein aktuelles Modell aus den USA prognostiziert, dass sich die Menge an falsch entsorgtem Plastikmüll weltweit bis zum Jahr 2050 verdoppeln könnte. Forscherinnen und Forscher entwickelten ein KI-gestütztes Szenario, um die Entwicklung von Plastikverbrauch und -entsorgung zu analysieren und die Effektivität möglicher Gegenmaßnahmen zu bewerten. Die Ergebnisse zeigen eine alarmierende Zunahme von Plastikverschmutzung, insbesondere in Ländern des globalen Südens, und betonen die dringende Notwendigkeit globaler Maßnahmen.
Plastikmüll und seine Folgen für Umwelt und Gesundheit
Plastik, das nicht ordnungsgemäß entsorgt wird, stellt ein massives Umweltproblem dar. Weltweit gelangen jährlich etwa acht Millionen Tonnen Makroplastik (Teilchen größer als 25 mm) und 1,5 Millionen Tonnen Mikroplastik (Teilchen kleiner als 5 mm) in die Meere. Hinzu kommt Plastik, das auf offenen Feuerstellen verbrannt wird, wobei giftige Chemikalien freigesetzt werden.
Die winzigen Kunststoffpartikel finden sich inzwischen in allen Lebensräumen – von den höchsten Berggipfeln bis in die tiefsten Ozeane – und dringen in die Nahrungskette ein. Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, dass Mikroplastik in den Mägen und Geweben von Tieren und Menschen nachweisbar ist. Erste Studien legen nahe, dass diese Partikel die Ausbreitung von Krankheiten wie Krebs fördern und die Wirksamkeit von Antibiotika beeinflussen könnten.
Alarmierende Prognose: Verdopplung des falsch entsorgten Plastikmülls
Im Jahr 2020 fielen weltweit rund 425 Millionen Tonnen Plastikmüll an, von denen weniger als ein Viertel recycelt wurde. Etwa 62 Millionen Tonnen wurden als „falsch gehandhabt“ eingestuft, was bedeutet, dass sie nie in Recycling- oder Entsorgungsanlagen gelangten. Laut dem Modell des Forschungsteams könnte die Menge dieses falsch entsorgten Mülls bis 2050 auf 120 Millionen Tonnen steigen, wenn keine Gegenmaßnahmen ergriffen werden. Dies entspricht einem Anstieg von 100 Prozent.
Die Ursache für den Anstieg ist nicht, dass die Entsorgung schlechter wird, sondern dass der Plastikverbrauch weltweit rapide wächst. Das Modell prognostiziert, dass der globale Plastikverbrauch bis 2050 um 37 Prozent auf 750 Millionen Tonnen ansteigen wird, während die Menge an Plastikmüll um 62 Prozent zunehmen könnte.
Regionale Unterschiede: Der globale Süden leidet besonders
Die Studie zeigt deutliche regionale Unterschiede. Besonders in Ländern des globalen Südens wie Indien, Nigeria und Indonesien wird Plastik häufig nicht fachgerecht entsorgt, da es an der notwendigen Infrastruktur mangelt. Müllentsorgung erfolgt oft informell, etwa durch Deponierung in offenen Gruben oder das Verbrennen am Straßenrand. Dennoch trägt der globale Norden eine Mitschuld an dieser Problematik, da ein großer Teil des Plastikmülls aus entwickelten Ländern stammt und in diese Regionen exportiert wird.
„Die Verantwortung liegt nicht allein bei den betroffenen Ländern. Die industrialisierten Staaten sind oft die Hauptverursacher des Problems und müssen ebenfalls Lösungen anbieten“, erklärt Umweltwissenschaftler Roland Geyer von der Universität Kalifornien.
Lösungsansätze: Recycling und globale Abkommen
Die Studie untersuchte acht mögliche Maßnahmen, um den Plastikmüll effektiv zu reduzieren. Vier davon zeigten besonders großes Potenzial:
Erhöhung der Recyclingquote auf 40 Prozent: Diese Maßnahme könnte die Menge des falsch entsorgten Mülls mehr als halbieren.
Deckelung der Neuplastikproduktion: Eine Begrenzung der Herstellung von neuem Plastik würde die Müllmenge reduzieren.
Investitionen in Müllentsorgungsinfrastruktur: Besonders in Ländern mit schlechter Infrastruktur könnte dies die Situation erheblich verbessern.
Besteuerung von Verpackungsmaterialien: Hohe Steuern auf Plastikverpackungen könnten den Verbrauch einschränken.
Kombiniert könnten diese Maßnahmen die Menge des falsch entsorgten Plastikmülls bis 2050 auf elf Millionen Tonnen senken – eine Reduktion um 91 Prozent im Vergleich zum aktuellen Trend.
Herausforderungen und Umsetzbarkeit
Obwohl die vorgeschlagenen Maßnahmen vielversprechend sind, gibt es erhebliche Hürden bei der Umsetzung. Die Erhöhung der Recyclingquote auf 40 Prozent ist beispielsweise technisch und logistisch anspruchsvoll. „Die chemische Vielfalt und die langsame Abbaubarkeit von Plastik machen es schwierig, Recycling in diesem Umfang zu realisieren“, warnt Nachhaltigkeitsexpertin Catharina Bening von der ETH Zürich.
Ein weiteres Hindernis ist der politische Wille: Die Umsetzung globaler Lösungen erfordert die Kooperation zahlreicher Staaten. Ein geplantes UNO-Abkommen zur Eindämmung der Plastikverschmutzung, das noch im November 2024 verabschiedet werden soll, könnte ein entscheidender Schritt sein. Doch ob es gelingt, alle beteiligten Länder auf einen gemeinsamen Nenner zu bringen, bleibt fraglich.
Fazit: Dringender Handlungsbedarf
Die Studie macht deutlich, dass ohne konkrete Gegenmaßnahmen die Plastikverschmutzung unaufhaltsam zunimmt. Ein stärkerer Fokus auf Recycling, nachhaltige Produktionsweisen und globale Kooperationen ist notwendig, um die negativen Auswirkungen auf Umwelt und Gesundheit einzudämmen. Die Zeit drängt, denn je länger wir warten, desto größer wird das Problem – mit irreversiblen Folgen für den Planeten.