In Myanmar steht der von Konflikten geprägte Teilstaat Rakhine kurz vor einer massiven Hungersnot, die das Leben von Millionen Menschen bedroht. Ein neuer Bericht des Entwicklungsprogramms der Vereinten Nationen (UNDP) zeichnet ein düsteres Bild: Anhaltende Gewalt zwischen der Militärjunta und ethnischen Minderheiten hat die Region „an den Rand einer beispiellosen humanitären Katastrophe“ gebracht. Laut UN-Schätzungen könnte die Region ab Frühjahr nur noch 20 Prozent ihres Nahrungsmittelbedarfs selbst decken. Besonders betroffen sind ethnische Minderheiten wie die Rohingya, die bereits lange unter extremer Armut und Diskriminierung leiden.
Landwirtschaft und Handel nahezu zusammengebrochen
Seit dem Staatsstreich 2021 hat die Militärregierung zahlreiche Regionen, insbesondere in ethnischen Minderheitsgebieten, schwer unterdrückt. Der Bericht zeigt, dass die Gewalt das landwirtschaftliche Leben nahezu lahmgelegt hat. Viele Bauern können ihre Felder nicht mehr bewirtschaften, da sie ihre Lebensgrundlagen durch Kämpfe, Plünderungen und Zerstörungen verloren haben. Transportwege sind durch Straßensperren, Minen und zerstörte Infrastruktur blockiert. Dadurch ist auch der lokale Handel stark beeinträchtigt, was die Versorgung der Bevölkerung mit Nahrungsmitteln und anderen Gütern erheblich erschwert.
Millionen von akuter Ernährungsunsicherheit betroffen
Mehr als zwei Millionen Menschen in Rakhine sind direkt von Ernährungsunsicherheit betroffen und könnten ohne dringende Hilfsmaßnahmen von einer Hungersnot heimgesucht werden. Die UN warnen, dass die Knappheit der Lebensmittel in den nächsten Monaten voraussichtlich weiter zunimmt. Diese Entwicklung betrifft besonders vulnerable Bevölkerungsgruppen wie Frauen, Kinder und ältere Menschen, die bereits mit eingeschränktem Zugang zu Gesundheitsversorgung und Hygiene konfrontiert sind. Die bestehenden Hilfsstrukturen in Myanmar sind ebenfalls unter dem Druck des Konflikts nahezu zusammengebrochen, was die Lage weiter verschärft.
Internationale Hilfe dringend erforderlich
Die UN und weitere internationale Organisationen appellieren eindringlich an die internationale Gemeinschaft, schnellstmöglich Unterstützung zu leisten, um eine Katastrophe zu verhindern. Humanitäre Organisationen stehen jedoch vor großen Herausforderungen: Die Militärjunta kontrolliert den Zugang zu den betroffenen Gebieten und erschwert Hilfslieferungen. Diese Einschränkungen lassen die UN und Hilfsorganisationen nur mit begrenzten Mitteln arbeiten, was dringend benötigte humanitäre Hilfe verzögert und die Situation vor Ort weiter verschärft.
Die Rolle der Rohingya und anderer ethnischer Minderheiten
Die Lage der ethnischen Minderheiten, insbesondere der Rohingya, ist besonders prekär. Die muslimische Bevölkerungsgruppe ist seit Jahrzehnten politischer Verfolgung, Diskriminierung und Gewalt ausgesetzt. Viele von ihnen sind gezwungen, in überfüllten Lagern unter katastrophalen Bedingungen zu leben, ohne ausreichenden Zugang zu Nahrungsmitteln, sauberem Wasser und medizinischer Versorgung. Die UN befürchtet, dass die derzeitige Krise die ohnehin schwierige Situation der Rohingya weiter verschlimmern und den humanitären Notstand noch verstärken könnte.
UN fordert dringende Maßnahmen und langfristige Lösungen
Um die drohende Hungersnot abzuwenden, fordern die UN eine sofortige Ausweitung der humanitären Hilfe sowie politischen Druck auf die Militärjunta, um den Zugang für Hilfsorganisationen zu gewährleisten. Neben kurzfristigen Nothilfemaßnahmen betonen die UN jedoch auch die Notwendigkeit langfristiger Lösungen zur Verbesserung der Lebensbedingungen in Rakhine und zur Sicherung der Grundversorgung. Die internationale Gemeinschaft wird aufgerufen, nicht nur auf die aktuelle Krise zu reagieren, sondern auch politische Bemühungen zur Stabilisierung der Region und zum Schutz der betroffenen Bevölkerungsgruppen zu unterstützen.
Die Situation in Rakhine ist alarmierend und zeigt, wie dringend humanitäre und politische Unterstützung für die Bevölkerung Myanmars notwendig ist, um eine großflächige Katastrophe zu verhindern und den Menschen in den Konfliktregionen Hoffnung auf eine bessere Zukunft zu geben.