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Zukunft der Mobilität oder teures Experiment? Lilium und die Herausforderung für Flugtaxis

Die Vision vom Flugtaxi – futuristisch und umstritten zugleich. Die Idee, den urbanen Raum mit elektrisch betriebenen Luftfahrzeugen zu erschließen, hat das Potenzial, die Mobilität revolutionär zu verändern. Doch Unternehmen wie Lilium, eines der weltweit führenden Unternehmen in der Entwicklung von elektrischen Senkrechtstartern, stehen vor enormen finanziellen und technischen Herausforderungen. Aktuell droht Lilium der finanzielle Kollaps, und ein Insolvenzantrag liegt bereits vor.

Wettlauf gegen die Zeit und leere Kassen

Für Lilium steht die Zeit auf Messers Schneide. Ein marktfähiges Serienmodell des Lilium Jets ist geplant, das erste Testflüge um den Jahreswechsel absolvieren soll. Die Nachfrage scheint vorhanden: Lilium meldet mehrere hundert Bestellungen, darunter eine größere Order aus Saudi-Arabien. Doch ohne weitere Finanzierung könnte das Unternehmen den Betrieb einstellen, bevor die ersten Maschinen ausgeliefert werden können. Ursprünglich sicherte der Freistaat Bayern eine Kreditbürgschaft über 50 Millionen Euro zu, doch der Bund entschied sich aus Haushaltsgründen und aufgrund technischer Bedenken, keine Beteiligung zu übernehmen.

Verkauf ins Ausland als letzte Option?

Sollte es Lilium nicht gelingen, im Insolvenzverfahren Eigenkapital zu sichern, wäre der Verkauf der Technologie ins Ausland wohl die letzte Option. Interesse scheint bereits vorhanden: Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hat im Sommer Finanzhilfen angeboten – unter der Voraussetzung, dass Lilium die Produktion nach Frankreich verlagert. Der Verlust einer derart innovativen Technologie wäre für den deutschen Standort ein herber Rückschlag.

Flugtaxis oder Shuttle-Service?

Lilium distanziert sich bewusst vom Begriff „Flugtaxi“. Firmenchef Klaus Roewe beschreibt das Geschäftsmodell eher als Shuttle-Service, der schnelle Verbindungen zwischen kleineren Städten oder Flughäfen anbietet, bei denen die Reise mit Auto oder Bahn deutlich länger dauern würde. Der Jet könnte einen Beitrag zur Verkürzung von Reisezeiten leisten, jedoch nur auf festgelegten Strecken.

Exklusives Spielzeug oder praktisches Verkehrsmittel?

Kritiker sehen in den Fluggeräten ein „Spielzeug für Millionäre“, da die Tickets voraussichtlich sehr teuer sein werden. Eine Untersuchung der Unternehmensberatung Roland Berger zeigt jedoch, dass die Preise für einen Lilium-Trip im Bereich von gehobenen Chauffeurdiensten liegen könnten – zwar kostspielig, aber nicht völlig unerschwinglich, vor allem für Geschäftsreisende.

Frühere Tests in Lateinamerika: Ein Modell für Europa?

Bereits vor einigen Jahren testete Airbus in den Städten Mexiko-Stadt und São Paulo mit seinem Projekt Voom ähnliche Flugdienstangebote. Zwar kamen damals herkömmliche Helikopter zum Einsatz, doch der Service zeigte, dass Flugshuttles eine attraktive Alternative zur Vermeidung stundenlanger Verkehrsstaus darstellen. Geschäftsreisende, die sonst zwei Stunden benötigen würden, kamen in zehn Minuten ans Ziel. Ein ähnliches Szenario ist auch für europäische Städte denkbar, wobei elektrische Fluggeräte einen entscheidenden Vorteil hätten: Sie arbeiten deutlich umweltfreundlicher und sind geräuscharmer.

Herausforderungen und Chancen

Für Lilium und die gesamte Branche der Fluggeräte stehen die nächsten Monate auf der Kippe. Der Wettbewerb um Marktführerschaft und Patente ist groß, die technischen und finanziellen Hürden ebenso. Eine vollständige Umsetzung könnte das Mobilitätskonzept revolutionieren und Wege bieten, urbane Mobilität schneller und nachhaltiger zu gestalten. Ob das Projekt als Erfolg oder als ein teures Experiment in die Geschichte eingeht, wird sich bald zeigen.

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