In Italien sorgt ein neues Gesetz, das die Leihmutterschaft im Ausland unter Strafe stellt, für hitzige Debatten. Insbesondere der italienische Ärzteverband widersetzt sich Forderungen der rechtsgerichteten Regierung, solche Fälle den Behörden zu melden. Der Verband kritisierte die Aufforderung als „Aufruf zur Denunziation“, der im Widerspruch zum medizinischen Ehrenkodex stehe. Ärzte befürchten, dass ihr Vertrauensverhältnis zu den Patienten durch das Gesetz stark beschädigt werden könnte.
Die Regierung von Ministerpräsidentin Giorgia Meloni verteidigt das Gesetz als Maßnahme zum Schutz der traditionellen Familie. Das neue Gesetz sieht vor, dass italienischen Staatsbürgern, die im Ausland die Dienste von Leihmüttern in Anspruch nehmen, bis zu zwei Jahre Haft und Geldstrafen von bis zu einer Million Euro drohen. Die Meloni-Regierung betont, dass die Leihmutterschaft gegen die Würde der Frau und das Kindeswohl verstoße.
Das Gesetz trifft jedoch auf starken Widerstand. Kritiker werfen der Regierung vor, Familien, die keine andere Möglichkeit haben, Kinder zu bekommen, zu kriminalisieren. Zudem wird befürchtet, dass die strengen Strafen Italiens Beziehungen zu anderen EU-Ländern belasten könnten, in denen Leihmutterschaft erlaubt ist. In der öffentlichen Diskussion wird die Frage aufgeworfen, inwieweit das Gesetz individuelle Freiheiten einschränkt und Familien mit unerfülltem Kinderwunsch benachteiligt.
Der Streit um das Leihmutter-Gesetz zeigt einmal mehr die tiefen Gräben in der italienischen Gesellschaft, wenn es um Familienpolitik und die Rechte von Frauen und LGBTQ-Personen geht.