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Piraterie, Menschenraub und Sklaverei: Brutale Machtkämpfe im Mittelmeer

Piraterie verbindet man häufig mit der Karibik, doch auch das Mittelmeer war über 300 Jahre hinweg Schauplatz grausamer Kämpfe um die Vorherrschaft auf See. Vom 16. bis 19. Jahrhundert führten Christen und Muslime erbitterte Kriege auf den Meeren und verübten dabei Menschenraub und Sklaverei.

Piraten und sogenannte Korsaren, durch Kaperbriefe legitimierte Seeräuber, entführten und versklavten über eine Million Menschen. Ihre Angriffe galten nicht nur Handelsschiffen, sondern auch Küstendörfern, die in ständiger Angst vor Überfällen lebten. Ein dramatisches Beispiel: 1551 verschleppten osmanische Korsaren die gesamte Bevölkerung der Insel Gozo, rund 6.000 Menschen, in die Sklaverei.

Diese Form der Piraterie war lange ein offiziell anerkanntes Gewerbe, das dem herrschenden Seerecht entsprach. Ausgestattet mit einem Kaperbrief eines muslimischen oder christlichen Herrschers plünderten die Korsaren Schiffe und Küstenstädte. Menschenraub war ein lukratives Geschäftsmodell. Gefangene wurden entweder gegen Lösegeld freigekauft oder auf den Sklavenmärkten in Nordafrika und Europa verkauft, um als Rudersklaven zu dienen. Der Erlös wurde auf die Schiffsbesatzung und Investoren aufgeteilt, die in Kaperfahrten investierten, ähnlich wie an der Börse.

Historische Berichte und Dokumente, wie die des Kaufmannssohns Balthasar Sturmer, der 1532 in Sklaverei geriet und auf osmanischen Galeeren rudern musste, liefern detaillierte Einblicke in diese brutale Epoche. Sturmer überlebte seine Gefangenschaft und hinterließ wertvolle Aufzeichnungen, die heute an der Universität Innsbruck erforscht werden.

Tausende Berichte über erfolgreiche und misslungene Kaperfahrten befinden sich in maltesischen Archiven, doch archäologische Beweise in Form von Piratenschiffswracks sind bisher rar. Hoffnung gibt es jedoch: Vor der Küste Maltas wurde ein Schiffswrack entdeckt, das möglicherweise ein Piratenschiff war. Erste Funde von Kanonen und Keramiken datieren das Wrack ins 16. Jahrhundert, doch ob es sich tatsächlich um ein Korsarenschiff handelt, wird erst ein geplanter weiterer Tauchgang endgültig klären.

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