Die britische Regierung hat ein ambitioniertes Klimaschutzprogramm vorgestellt, in dessen Rahmen in den nächsten 25 Jahren rund 22 Milliarden Pfund (etwa 26,2 Milliarden Euro) in die Speicherung von Kohlendioxid (CO2) investiert werden sollen. Ziel dieses Vorhabens ist es, die Treibhausgasemissionen der Schwerindustrie aufzufangen und sicher unter der Erde zu speichern. Hierfür sollen unter anderem stillgelegte Ölfelder, insbesondere unter dem Meeresboden, genutzt werden, die ausreichend Kapazitäten zur Lagerung von CO2 bieten.
Das Programm zielt darauf ab, jährlich etwa 8,5 Millionen Tonnen Kohlenstoffemissionen zu speichern. Dies entspricht einem erheblichen Beitrag zur Senkung der industriellen Emissionen in Großbritannien, einem Land, das sich ehrgeizige Klimaziele gesetzt hat. Die britische Regierung sieht die CO2-Speicherung als unverzichtbaren Baustein in ihrem Plan, die Netto-Null-Emissionen bis 2050 zu erreichen. Vor allem in der Schwerindustrie, in der die Reduktion von Emissionen technisch und finanziell besonders anspruchsvoll ist, soll diese Technik dabei helfen, den Übergang zu einer klimaneutralen Wirtschaft zu ermöglichen.
Die CO2-Speicherung wird in sogenannten Carbon Capture and Storage (CCS) Projekten umgesetzt. Dabei wird das CO2 aus den Abgasen industrieller Anlagen extrahiert, komprimiert und durch Pipelines in unterirdische Lagerstätten wie erschöpfte Öl- und Gasfelder gepumpt. Diese Lagerstätten bieten ein hohes Potenzial, da sie in der Vergangenheit bereits erfolgreich fossile Energieträger sicher gespeichert haben. Ein Teil der geplanten Investitionen fließt zudem in die Forschung und Entwicklung innovativer Technologien, um die Effizienz und Sicherheit der CO2-Speicherung weiter zu verbessern.
Erst kürzlich hatte Großbritannien als erstes westliches Industrieland die Stromerzeugung aus Kohle beendet – ein weiterer bedeutender Schritt in der Reduzierung von Treibhausgasemissionen. Das Ende der Kohleverstromung wurde als Meilenstein für den britischen Energiesektor gefeiert und unterstreicht die Entschlossenheit des Landes, seine Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen zu beenden. Die britische Regierung betont, dass die Umstellung auf erneuerbare Energien, in Kombination mit CO2-Speicherung, den Weg zu einer nachhaltigen, emissionsarmen Wirtschaft ebnen soll.
Neben den ökologischen Vorteilen sieht die Regierung auch wirtschaftliches Potenzial in den Investitionen. Die Entwicklung und der Ausbau der CO2-Speicherungstechnologie könnten neue Arbeitsplätze schaffen und das Vereinigte Königreich als Vorreiter auf diesem Gebiet positionieren. Insbesondere für Regionen, die stark von der Schwerindustrie abhängig sind, bietet das Programm Chancen, die wirtschaftlichen Strukturen zu transformieren und gleichzeitig den Klimaschutz voranzutreiben.
Um die langfristigen Ziele zu erreichen, setzt Großbritannien auch auf internationale Zusammenarbeit. Die Regierung plant, ihre Erfahrungen und Fortschritte auf dem Gebiet der CO2-Speicherung mit anderen Ländern zu teilen, um globale Klimaziele zu unterstützen. Vor dem Hintergrund der weltweiten Klimakrise soll Großbritannien eine Vorreiterrolle bei der Entwicklung und Implementierung von Technologien zur Emissionsminderung einnehmen.
Die CO2-Speicherung ist jedoch nicht ohne Kritik. Umweltgruppen haben Bedenken geäußert, dass die Technologie zwar kurzfristig hilfreich sein könnte, aber langfristig möglicherweise von den notwendigen Anstrengungen zur Reduzierung der CO2-Emissionen ablenken könnte. Es bestehe die Gefahr, dass Unternehmen darauf setzen, ihre Emissionen einfach zu „vergraben“, anstatt die eigentliche Produktion umweltfreundlicher zu gestalten. Auch Fragen zur Sicherheit und möglichen Umweltrisiken, etwa im Zusammenhang mit der Lagerung von CO2 unter dem Meeresboden, werden weiterhin diskutiert.
Die britische Regierung zeigt sich jedoch optimistisch und sieht die CO2-Speicherung als eine Übergangstechnologie auf dem Weg zu einer emissionsfreien Industrie. Der Erfolg des Programms könnte maßgeblich dazu beitragen, das Ziel der Klimaneutralität bis 2050 zu erreichen und gleichzeitig den Wirtschaftsstandort Großbritannien zu stärken.