Die Apothekerkammer Sachsen-Anhalt äußert sich besorgt über die anhaltenden Engpässe bei der Versorgung mit wichtigen Medikamenten in Deutschland und kritisiert die bisherigen Maßnahmen der Politik als unzureichend. Jens-Andreas Münch, der Präsident der Apothekerkammer, erklärte in einem Interview mit dem MDR, dass trotz politischer Ankündigungen, mehr Medikamente wieder in Deutschland zu produzieren, bislang kaum Fortschritte erzielt worden seien. „Wir sehen bisher wenig Bewegung. Es wird viel versprochen, aber tatsächlich umgesetzt wurde bisher sehr wenig“, so Münch.
Der Apothekerpräsident forderte eine stärkere Unabhängigkeit Europas von den weltweit gestreckten Lieferketten, insbesondere von den Importen aus Asien. Gerade bei Arzneimitteln, die für die Grundversorgung der Bevölkerung von essenzieller Bedeutung sind, müsse die Produktion wieder stärker in Europa angesiedelt werden. Lange Transportwege und Engpässe in den Lieferketten, wie sie zuletzt durch globale Krisen verstärkt wurden, seien ein hohes Risiko für die Versorgungssicherheit in Deutschland und der EU.
Derzeit sind viele Apotheken von Lieferengpässen betroffen, besonders bei Grippe- und Erkältungsmitteln, die in der herbstlichen Erkältungssaison stark nachgefragt werden. Doch nicht nur Mittel gegen Erkältung und Grippe fehlen, auch essenzielle Medikamente wie Insulin für Diabetiker sind teilweise nicht verfügbar. „Für die betroffenen Patienten kann das sehr belastend sein, insbesondere, wenn sie auf lebenswichtige Medikamente angewiesen sind und keine Alternativen verfügbar sind“, sagte Münch weiter.
Er betonte auch, dass diese Situation nicht nur das Gesundheitssystem enorm unter Druck setze, sondern auch das Vertrauen der Patienten in die Zuverlässigkeit der Versorgung untergrabe. Die Verantwortung liege hier bei der Politik, die dringend handeln müsse, um die heimische Produktion von Medikamenten zu stärken und langfristig zu sichern. „Es geht nicht nur um kurzfristige Lösungen, sondern um eine nachhaltige Strategie, die den Bedarf der Bevölkerung dauerhaft decken kann.“
Münch wies darauf hin, dass viele Apotheker täglich mit besorgten Kunden konfrontiert würden, die ihre gewohnten Medikamente nicht mehr erhalten könnten. Dies führe oft zu großem Frust, da Alternativen häufig nicht in ausreichender Menge vorhanden seien oder komplizierte Umstellungen erforderlich machen. Eine klare politische Strategie zur Bewältigung der Engpässe und eine langfristige Sicherstellung der Lieferketten sei daher unabdingbar. Die Apothekerkammer fordert in diesem Zusammenhang konkrete Maßnahmen von der Bundesregierung, um eine krisenfeste Arzneimittelversorgung zu gewährleisten.