Die kleine Gemeinde Lubmin steht vor einer großen Herausforderung: Gestern informierte das Entsorgungswerk für Nuklearanlagen (EWN) die Anwohner über Pläne, 74 Castor-Behälter mit hochradioaktivem Atommüll in einem neuen Zwischenlager unterzubringen – und das für einen Zeitraum von mindestens 50 Jahren, bis 2074. Die Nachricht sorgt für gemischte Reaktionen, insbesondere bei Umweltverbänden und den Grünen, die das Projekt kritisch beäugen.
Die geplante Lagerung in Lubmin, die frühestens ab 2030 beginnen soll, ist Teil eines langfristigen Entsorgungskonzepts der Bundesregierung. Bei einem Nachbarschaftstag sollen die Bürger umfassend über die geplanten Sicherheitsmaßnahmen und den aktuellen Stand des Genehmigungsverfahrens informiert werden. Die Lagerung des Atommülls ist kein kurzfristiges Thema: Für jeden Castor-Behälter muss nach 40 Jahren eine neue Genehmigung eingeholt werden, was bedeutet, dass der erste Behälter bereits 2036 eine Neuzulassung benötigt.
Sicherheitsmaßnahmen im Fokus
EWN betont, dass höchste Sicherheitsstandards beim Bau und Betrieb des neuen Zwischenlagers gelten sollen. Besonders hervorgehoben wird ein gemeinsames Forschungsprojekt mit der Hochschule Zittau, bei dem die Wärmeverteilung in den Castor-Behältern gemessen wird. Auf diese Weise soll festgestellt werden, ob sich die Lage der Brennstäbe verändert, ohne die Behälter öffnen zu müssen. Bislang gab es laut EWN jedoch keine Auffälligkeiten. „Wir tun alles, um jegliche Sicherheitsrisiken zu vermeiden“, betont EWN-Geschäftsführer Henry Cordes.
Kritik von Umweltverbänden und den Grünen
Trotz der versprochenen Sicherheitsvorkehrungen gibt es deutliche Kritik von Umweltverbänden und den Grünen. Besonders die Entscheidung, keine sogenannte „heiße Zelle“ in das Zwischenlager zu integrieren, sorgt für Bedenken. Eine solche Einrichtung wäre notwendig, um Castoren im Falle technischer Probleme sicher zu öffnen und umzupacken. Kritiker bemängeln, dass ohne diesen Raum im Notfall schwerwiegende Probleme auftreten könnten.
Die heutige Informationsveranstaltung markiert den Beginn einer breiten Öffentlichkeitsbeteiligung, bei der die Bürger von Lubmin und der umliegenden Regionen ihre Bedenken äußern und sich aktiv in den Entscheidungsprozess einbringen können. Die Lagerung von Atommüll bleibt ein heikles Thema, und die Frage, wie sicher die langfristige Aufbewahrung dieser gefährlichen Stoffe gestaltet werden kann, wird die Diskussionen in der Region noch lange prägen.