Die litauische Holocaust-Überlebende Fania Brancovskaja ist im Alter von 102 Jahren verstorben. Brancovskaja war eine der letzten überlebenden Zeitzeugen des Holocausts in Litauen und eine wichtige Figur des jüdischen Widerstands während des Zweiten Weltkriegs. Ihr Tod markiert das Ende einer Ära, in der die Stimmen derer, die die Schrecken des Holocausts überlebt haben, langsam verstummen.
Brancovskaja wurde 1922 in Vilnius geboren, damals Teil Polens, und erlebte die deutsche Besatzung während des Zweiten Weltkriegs. Wie viele Juden wurde sie zusammen mit ihrer Familie und Freunden in das Ghetto von Vilnius gezwungen, wo sie unter unmenschlichen Bedingungen lebte. Doch Brancovskaja war nicht bereit, ihr Schicksal passiv hinzunehmen. Gemeinsam mit einer Gruppe junger jüdischer Widerstandskämpfer, den sogenannten „Partisanen“, kämpfte sie gegen die Nazi-Besatzer.
Ihre Geschichte des Widerstands ist bemerkenswert. Unter Lebensgefahr schmuggelten Brancovskaja und ihre Mitstreiter Waffen und Sprengstoff in das Ghetto und führten Sabotageakte gegen die deutsche Armee durch. Trotz der erdrückenden Gewalt, der Verfolgung und des allgegenwärtigen Todes entschieden sich Brancovskaja und ihre Gruppe, nicht kampflos aufzugeben. Viele von ihnen bezahlten ihren Mut mit dem Leben.
Nach dem Krieg blieb Brancovskaja in Litauen, obwohl die meisten überlebenden Juden das Land verließen, um dem Antisemitismus und der politischen Instabilität zu entkommen. Sie widmete den Rest ihres Lebens der Aufklärung über den Holocaust und der Bewahrung der Erinnerung an die Opfer. Sie arbeitete unermüdlich daran, die Geschichte des jüdischen Widerstands und der Verbrechen der Nazis in Litauen zu dokumentieren.
In ihren späten Jahren wurde sie zu einer wichtigen Zeitzeugin, die regelmäßig an Schulen und Universitäten sprach, um die nachfolgenden Generationen über die Schrecken des Holocausts aufzuklären. „Ich kann nicht vergessen, und ich will nicht, dass die Welt vergisst“, sagte sie in einem ihrer letzten Interviews.
Ihr Tod ist ein großer Verlust für die jüdische Gemeinde in Litauen und für alle, die sich der Erinnerung an den Holocaust verpflichtet fühlen. Litauens Präsident Gitanas Nauseda würdigte Brancovskaja als „eine der letzten großen Zeuginnen eines dunklen Kapitels unserer Geschichte“ und betonte, wie wichtig es sei, ihr Erbe zu bewahren. „Sie hat ihr Leben der Erinnerung gewidmet, und wir schulden ihr Dank und Anerkennung“, sagte er.