Tuberkulose (TB) gehört weltweit zu den gefährlichsten Infektionskrankheiten, insbesondere aufgrund der zunehmenden Resistenz des Erregers gegen gängige Medikamente. Doch nun gibt es einen bedeutenden Fortschritt in der Behandlung von resistenter Tuberkulose – eine positive Entwicklung, die auch Europa betrifft.
Jährlich erkranken rund eine Million Menschen an einer Form von Tuberkulose, die gegen herkömmliche Antibiotika resistent ist. Die Krankheit, die durch Mykobakterien übertragen wird und die Lungen befällt, tritt besonders häufig in Südostasien, Afrika und den Ländern der ehemaligen Sowjetunion auf. In Weißrussland etwa ist der Anteil resistenter TB-Fälle besonders hoch, erklärt Lorenzo Guglielmetti, Leiter des Projekts endTB bei „Ärzte ohne Grenzen“. Diese Entwicklung hat auch Auswirkungen auf Westeuropa, besonders durch Migration und Fluchtbewegungen, so Guglielmetti.
Antibiotika versagen zunehmend
Tuberkulose ist seit Langem eine der größten Herausforderungen unter den Infektionskrankheiten. Das Bakterium Mycobacterium tuberculosis ist in vielen Fällen resistent gegen gängige Antibiotika, wodurch diese Behandlungen kaum oder gar nicht mehr wirken. Alternative Medikamente kamen zwar zum Einsatz, hatten jedoch schwere Nebenwirkungen und konnten bei besonders gefährdeten Gruppen wie Kindern und schwangeren Frauen oft nicht verwendet werden. Zudem zog sich die Therapie oft über zwei Jahre hin und erforderte regelmäßige Infusionen – ein großer logistischer Aufwand, besonders in entlegenen Regionen.
Durchbruch mit neuer Therapie
Eine neue Therapie, die von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) kürzlich empfohlen wurde, eröffnet nun neue Möglichkeiten im Kampf gegen resistente TB. Diese Behandlung kombiniert mehrere Wirkstoffe, ist deutlich kürzer – nur sechs Monate – und viel verträglicher. Zudem erfolgt die Einnahme als Tablettenform, was die Behandlung auch in abgelegenen Gebieten erleichtert. „Es sind großartige Nachrichten für Millionen von Patienten weltweit“, betont Guglielmetti.
NGOs und UNO als treibende Kraft
Dieser Fortschritt wurde maßgeblich durch nicht-gewinnorientierte Organisationen wie „Ärzte ohne Grenzen“ und die Vereinten Nationen vorangetrieben. Guglielmetti hebt hervor, dass es ohne öffentliches Geld kaum möglich gewesen wäre, solche Entwicklungen voranzutreiben, da private Unternehmen aufgrund der geringen Gewinnaussichten in ärmeren Ländern kaum investieren. Die neue Therapie wird diese Woche auch auf der Konferenz der European Respiratory Society in Wien diskutiert.
Noch viel zu tun
Obwohl die neue Therapie als Meilenstein gilt, ist die Tuberkulose damit noch lange nicht besiegt. Der nächste Schritt besteht darin, den Zugang zu den neuen Behandlungsformen weltweit zu verbessern und die Kosten für die Medikamente zu senken, um sie auch für ärmere Länder erschwinglich zu machen.
Jährlich erkranken weltweit etwa 11 Millionen Menschen an Tuberkulose. In Österreich wurden 2023 laut der Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) 422 Fälle gemeldet, was nach mehreren Jahren mit niedrigeren Fallzahlen wieder einen leichten Anstieg bedeutet. Bei neun der gemeldeten Fälle wurden Resistenzen festgestellt, so die AGES auf Anfrage von Ö1.