Zur Situation der Texxol Mineralöl AG

Am 24.04.2018 veröffentlichte die Texxol Mineralöl AG, Buchholz, ihren Jahresabschluss für das Jahr 2016 im elektronischen Bundesanzeiger. Dem Jahresabschluss ist zu entnehmen, dass die typisch stillen Gesellschafter dem Unternehmen Gelder im Wert von 62,745 Millionen Euro anvertraut haben. Die Anleger sind laut Jahresabschluss verpflichtet, den Verlust der Texxol Mineralöl AG zu 75 Prozent zu tragen. Aus dem Jahresabschluss ergibt sich ein Jahresfehlbetrag von 192.466,50 Euro (Vorjahr: 462.909,92 Euro).
Neue Besen kehren gut?

Kurz zuvor wurde im Handelsregister des Unternehmens ein Wechsel in der Geschäftsführung bekannt gemacht. Der langjährige Vorstand Sönke Harrsen wurde ersetzt durch Herrn Ronald Hessel, dem im April 2018 als Finanzvorstand Herr Kai Lemke zur Seite gestellt wurde. Hessel ist gemeinsam mit Herrn Heiko Groschwald zugleich persönlich haftender Gesellschafter der Insu KG, Moritzburg, die für Anleger hochriskante Kapitalanlagen in Form grundbuchgesicherter Darlehen, Nachrangdarlehen, Genussrechtsbeteiligungen oder stillen Gesellschaftskapitals anbietet. Nach Ansicht der Stiftung Warentest fallen auch die Ratensparpläne der Texxol Mineralöl AG in die höchste Risikoklasse. Die Stiftung Warentest nahm die Ratensparpläne der Erdölfirma Texxol in ihre Warnliste auf.

Meinung Rechtsanwalt Röhlke

Der Berliner Rechtsanwalt Christian-H. Röhlke befasst sich seit Jahren mit den Risiken von stillen Beteiligungen für Privatanleger. Er meint:

„Stille Beteiligungen sind, sofern sie mit einer Verlustzuweisung arbeiten wie im vorliegenden Falle, immer mit dem Risiko des Totalverlustes behaftet. Zudem ist für Anleger aufgrund der hohen Weichkostenbelastung, die derartige Graumarktangebote meist in sich tragen, ausgesprochen fraglich, ob die den still Beteiligten zugewiesenen Verluste jemals im operativen Geschäft der Gesellschaften wieder eingespielt werden, geschweige denn, dass die versprochenen jährlichen Gewinnauszahlungen fließen. Häufig ist zu sehen, dass bei einer Insolvenz derartiger Kapitalanlagenangebote die jeweiligen Insolvenzverwalter sogar noch versuchen, die ausgezahlten Entnahmen und angeblichen Zinsen oder Scheingewinne wieder zurückzufordern. Viele Anleger wissen schlichtweg nicht, dass eine stille Beteiligung, ob atypisch oder typisch, eine echte unternehmerische Beteiligung mit dem Risiko des Totalverlustes ist“, meint der Jurist.

Renditen schwierig zu erreichen?

Nach Röhlkes Erfahrung benötigt eine Fondsgesellschaft bei einer Kostenbelastung von beispielsweise 20 Prozent des eingelegten Kapitals der Anleger eine jährliche Rendite von deutlich über 15 Prozent pro Jahr auf das verbleibende anzulegende Kapital, damit am Ende einer mehrjährigen Laufzeit eine Gesamtrendite für den Anleger im unteren einstelligen Bereich herauskommt. Eine Tabelle der Investitionsergebnisse der Texxol Mineralöl AG und ihrer einhundertprozentigen Tochtergesellschaften mit Stand vom 31.12.2017, die auf der Homepage der Texxol bereitgehalten wird, weist dagegen bis einschließlich Mai 2017 bei einer Investition von ca. 8,4 Millionen Euro einen Gesamtertrag seit 1999 von lediglich 9,17 Millionen Euro auf, also eine Rendite in knapp 20 Jahren von lediglich etwas über 9 Prozent – insgesamt. Ob dies ausreicht, die in der Werbung der Texxol AG herausgestellten Renditen zu erwirtschaften, hält der Jurist für zweifelhaft.

Verkauf von Beteiligungen als Rettungsanker

Möglicherweise ist vor diesem Hintergrund zu erklären, dass in einem Investorenbrief vom Februar 2018 die Texxol AG mitteilt, einige Beteiligungen verkauft zu haben und mit der freigewordenen Liquidität in zwei Fotovoltaik-Anlagen in Deutschland investieren zu wollen.“

Quelle: Rechtsanwalt Röhlke, Berlin

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