Die Abzocker des Jahres

Vermeintliche Gewinnmitteilungen waren ein beliebtes Lockmittel, um Verbraucher zur Teilnahme an einer Verkaufsveranstaltung und dort zum Kauf überteuerter Produkte zu überreden.
Die Fantasie der Abzocker kannte dabei keine Grenzen. Mal sollte der Gewinn aus einem Kreuzworträtsel, mal der aus einer Lotterie abgeholt werden. Selbst so genannte Renten-Bonus-Zahlungen sollten vor Ort ausgezahlt werden.

Auf den ersten Blick erwecken die Mitteilungen zwar einen seriösen Anstrich, doch ein Hinweis am Ende der Schreiben entlarvt meist die wahre Absicht: Eingeladen wird zu einer Kaffeefahrt – mit wunderschönem Rahmenprogramm und kostenlosem Mittagsmenü. Außerdem winkt als Zusatzprämie oft ein attraktives Präsent, beispielsweise ein Express-Kaffeeautomat. Auf solchen Kaffeefahrten werden erfahrungsgemäß überteuerte Produkte an Mann und Frau gebracht. Der Verbraucherzentrale ist bislang kein Fall einer Gewinnauszahlung bekannt.

Agentur Martin Weber

Viele Verbraucherinnen und Verbraucher erhielten eine „Offizielle Gewinnbenachrichtigung“ einer Agentur Martin Weber aus Cloppenburg. Angeblich hatten die Betroffenen an einem Kreuzworträtsel teilgenommen und das richtige Lösungswort „Bargeld“ eingeschickt. „Herzlichen Glückwunsch, Sie haben tatsächlich gewonnen. Die Auszahlung in Höhe von 5.000 Euro erfolgt auf unserer wunderschönen Ausflugsfahrt“, hieß es in dem Schreiben, das massenweise verschickt wurde.
Schon auf den zweiten Blick erkannte man die typischen Merkmale einer Einladung zur Kaffeefahrt: Die Rede war von kostenlosem Frühstück und Mittagessen, einer kostenlosen Hin- und Rückfahrt zur Gewinnübergabe, einem 10 kg schweren Schlemmerkorb mit Lebensmitteln sowie kostenloser Präsentation.
Dass es sich um eine fragwürdige Werbemethode handelte, konnte man unter anderem daran erkennen, dass die Firma lediglich eine Postfachadresse in Cloppenburg auf der Antwortkarte angegeben hatte.

Dr. Böhm & Schneider

Mit dem dubiosen Versprechen, Geld aus betrügerischen Gewinnmitteilungen sichergestellt zu haben, lockte der angebliche Finanzdienstleister Dr. Böhm & Schneider per Massensendung zu einer Kaffeefahrt. Hinter dem Schreiben vermeintlicher Gutmenschen, die Geprellten zu ihrem Gewinn verhelfen wollten, verbarg sich bei genauem Hinsehen der raffinierte Versuch eines Kaffeefahrtenanbieters, auf eine Verkaufsveranstaltung zu locken.

In dem auf den ersten Blick seriös erscheinenden Schreiben informierten „Dr. Böhm & Schneider Finanzdienstleistungen“ mit Aktenzeichen und Vorgangsnummer über einen „versprochenen Gewinn“ von 1.000 Euro, den der Empfänger in einer Mitteilung u. a. von der Firma Phillips Lotto Service avisiert bekommen, jedoch nicht erhalten habe. Bei der Abwicklung der Firma habe man für die geprellten Gewinner eine angemessene Summe realisieren können: Die nachträgliche Übergabe des ausstehenden Betrages in Höhe von 946,72 Euro – Geschäfts- sowie Postgebühren wurden vom Gewinn abgezogen – fände in einer Filiale (je nach Bundesland wurden verschiedene Orte genannt) statt. Das Angebot gelte letztmalig – und der „Gewinn“ sei persönlich abzuholen.

Die Verfasser gaben dem Ganzen zwar einen seriösen Anstrich, doch ein Hinweis am Ende des Schreibens entlarvt die wahre Absicht: Eingeladen wurde zu einer Kaffeefahrt. Auf solchen Kaffeefahrten werden erfahrungsgemäß überteuerte Produkte an Mann und Frau gebracht. Bisher ist der Verbraucherzentrale kein Fall einer Gewinnauszahlung bekannt.

Die Masche von „Dr. Böhm & Schneider Finanzdienstleistungen“ war übrigens kein Einzelfall: Briefe mit identischem Wortlaut wurden auch unter den Namen „Dr. Schneider & König“, „Dr. Lehmann & Partner“, „Dr. Müller & Partner“, „Dr. Beckmann & Partner“, Dr. Richter & Schuster und „Dr. Brinkmann & Partner“ verschickt – immer mit dem Seriosität vorgaukelnden Zusatz „Finanzdienstleistungen“.

Buchungsservice Gr.

Zahlreiche Verbraucher erhielten ein Schreiben der Firma Buchungsservice Gr. aus 49648 Bethen. Hierbei handelte sich ebenfalls um eine typische Gewinnmitteilung, die als Lockmittel für eine Kaffeefahrt diente. Die Aufmachung des Schreibens erinnert stark an das GEZ-Logo. Deutlich sichtbar stand auf dem Brief der Slogan: Schon BEZahlt.Danke.
Im Weiteren bedankte man sich für die gezahlten Gebühren und teilte mit, dass unter allen zahlenden Teilnehmern eine Verlosung durchgeführt würde. Neben einem etwaigen Gewinn in Höhe von 1.875,00 Euro wurde außerdem „als Sonderprämie ein Jahr lang Gebührenbefreiung für Ihre Empfangsgeräte (Bsp. 12 Monate x 17,98 € = 215,76 €) versprochen.

Danach folgten die für eine Verkaufsveranstaltung typischen Merkmale wie kostenfreier Transport zur Gewinnübergabe an einen unbekannten Ort, leckeres und reichhaltiges Frühstück, schmackhaftes Mittagessen nebst Freigetränk etc.

Info-Service Bremen

Unter dem Absender Info-Zentrale Bremen wurde Bürgern, die mindestens 20 Jahre gearbeitet haben, per Brief ein Renten-Bonus aus einem „privaten Renten-Fond“ versprochen. Eine Zulassungsnummer sollte den Besitzer der Nummer als berechtigten Empfänger einer Renten-Bonus-Zahlung ausweisen. Damit das Ganze recht glaubhaft erschien, wurde die angekündigte Bonuszahlung nach Arbeitsjahren differenziert, bei 20 – 30 Arbeitsjahren wurden 3.748 € und bei 30 – 40 Arbeitsjahren 4.663 € versprochen. Die erste Rate sollte angeblich sofort in der Niederlassung zur Verfügung gestellt werden. Für die Übergabemodalitäten der restlichen vier Raten würden sogar Wünsche berücksichtigt. Allerdings konnte man nicht erkennen, wo sich die Niederlassung der Firma befinden sollte, Wohnortnähe wurde angekündigt. Vermutlich sollte auch mit dieser Bonuszahlung zur Teilnahme an einer so genannten Kaffeefahrt gelockt werden.
Damit recht viele Leute zusammen kamen, wurde dann auch ordentlich Druck gemacht. Denn nur, wenn man die Antwortpostkarte mit der Zulassungsnummer innerhalb von sieben Tagen konnte man seine Berechtigung für die Bonuszahlung nachweisen.

Kaiserplus und Superplus Reisen UG

„Sie haben beim ‚Jackpot-Gewinnspiel‘ 10.000 Euro Bargeld gewonnen,“ hieß es in einer Gewinnmitteilung an viele Verbraucher. Absender war eine Superplus Reisen UG mit Postfach in Stuhr. Unter der gleichen Adresse versprach eine Kaiserplus Reisen UG einen „3. Preis mit 2.000 Euro in bar“. Offensichtlich hat ein Bremer Geschäftsmann mit den beiden Postfächern ein Versteckspiel veranstaltet, denn beide Firmen wurden im Handelsregister unter einer Geschäftsanschrift in Barleben geführt.

Um die avisierten Gewinne erhalten zu können, wurden die Angeschriebenen zur Gewinnübergabe zu einer Ausflugsfahrt eingeladen. Mal war das Ziel ein Berliner Flughafen, mal wurden eine kostenlose Rundfahrt, Stadtbesichtigung und Bauernmarkt im Erzgebirge oder zur Kriebstein Talsperre versprochen. Kostenloses Frühstück, Präsentkorb mit 7 Pfund landestypischen Spezialitäten und Gratisfahrt für vier weitere Gäste sollten die Einladung noch attraktiver werden lassen.

Lotto Service Lastrup

Gleich in der ersten Zeile des Anschreibens gratulierte die Firma dem Empfänger in fett gedruckter Schrift zum Gewinn von 1.000,00 Euro. „Auszahlung garantiert“ hieß es daneben in einem dick umrandeten Kästchen. Doch galt dieser scheinbar erfreuliche Hinweis nicht dem jeweils angeschriebenen Verbraucher. Der war nur „potentieller Gewinner des Bargeldpreises in Höhe von sage und schreibe 1000,00 Euro.“ Die Gewinnsumme sollte in einem festlichen Rahmen in der nahe gelegenen Zweigstelle ausgezahlt werden.

Die Firma versuchte gegenüber den Verbrauchern Druck aufzubauen, indem sie darauf hinwies, dass nur „vollständig ausgefüllte Antwortkarten bearbeitet werden könnten“. Auf der Antwortkarte, die innerhalb von 8 Tagen abgeschickt werden sollte, fand sich neben der schon maschinell eingetragenen Absenderadresse noch die Abfrage nach der Telefonnummer und nach dem Geburtsdatum.

Quelle: VBZ BW

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