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Steigende Zinsen sorgen für Unruhe: Was das für Anleger bedeutet

kalhh (CC0), Pixabay

An den Finanzmärkten wird die Lage schwieriger. Die Zinsen für langfristige Staatsanleihen steigen. Gleichzeitig fallen die Kurse vieler bereits ausgegebener Anleihen.

Für Anleger stellt sich deshalb die Frage: Wie lange geht diese Entwicklung noch weiter und was bedeutet sie für Aktien und das eigene Geld?

Für die steigenden Zinsen gibt es mehrere Gründe. Dazu gehören die hohen Schulden der USA, Milliardeninvestitionen in neue Rechenzentren und künstliche Intelligenz sowie steigende Energiepreise.

Warum fallen Anleihen, wenn die Zinsen steigen?

Das klingt zunächst widersprüchlich, ist aber einfach zu erklären.

Angenommen, eine ältere Anleihe bringt zwei Prozent Zinsen. Neue Anleihen bieten inzwischen vier Prozent. Dann ist die alte Anleihe für Käufer weniger interessant.

Wer sie verkaufen möchte, muss deshalb möglicherweise einen niedrigeren Preis akzeptieren.

Steigende Zinsen führen daher in der Regel zu fallenden Kursen bereits ausgegebener Anleihen.

Besonders stark können Anleihen mit sehr langen Laufzeiten betroffen sein.

Die USA brauchen sehr viel Geld

Ein wichtiger Grund für die hohen Zinsen ist der große Finanzierungsbedarf der USA.

Der amerikanische Staat gibt seit Jahren mehr Geld aus, als er einnimmt. Die Differenz wird unter anderem durch neue Schulden finanziert.

Dafür werden Staatsanleihen ausgegeben.

Je mehr Geld sich ein Staat am Kapitalmarkt beschaffen muss, desto wichtiger wird die Frage, zu welchen Zinsen Anleger bereit sind, ihm dieses Geld zu leihen.

Verlangen Investoren höhere Zinsen, verteuert sich wiederum die Finanzierung der Staatsschulden.

Auch der KI-Boom braucht Milliarden

Gleichzeitig investieren große Technologieunternehmen enorme Summen.

Für künstliche Intelligenz werden neue Rechenzentren, Computerchips, Stromleitungen und Kraftwerke benötigt.

Diese Investitionen kosten Milliarden.

Damit benötigen nicht nur Staaten viel Kapital, sondern auch große Unternehmen. Beide konkurrieren auf den Finanzmärkten um das Geld der Anleger.

Auch das kann dazu beitragen, dass Zinsen hoch bleiben.

Öl und Gas spielen ebenfalls eine Rolle

Steigende Energiepreise können Waren und Dienstleistungen verteuern.

Dadurch kann die Inflation wieder zunehmen.

Das ist für die Notenbanken ein Problem. Denn bei einer hohen Inflation können sie die Leitzinsen nicht einfach kräftig senken.

An den Finanzmärkten wächst deshalb die Sorge, dass die Zinsen länger hoch bleiben könnten als bislang erwartet.

Warum sind hohe Zinsen ein Problem für Aktien?

Wenn sichere Staatsanleihen wieder attraktive Zinsen bieten, bekommen Aktien stärkere Konkurrenz.

Ein Anleger kann sich dann beispielsweise fragen: Warum soll ich ein größeres Risiko mit Aktien eingehen, wenn ich mit einer Staatsanleihe bereits einen interessanten Zins bekomme?

Hinzu kommt ein weiteres Problem.

Unternehmen müssen für Kredite und neue Anleihen ebenfalls höhere Zinsen bezahlen. Das kann ihre Kosten erhöhen und ihre Gewinne belasten.

Besonders Unternehmen mit hohen Schulden können darunter leiden.

Droht deshalb ein Aktiencrash?

Das lässt sich nicht seriös vorhersagen.

Steigende Zinsen können Aktien belasten. Sie bedeuten aber nicht automatisch, dass die Börsen einbrechen.

Entscheidend ist auch, wie sich die Gewinne der Unternehmen, die Wirtschaft, die Inflation und die Geldpolitik entwickeln.

Unternehmen mit wenig Schulden und stabilen Einnahmen können mit höheren Zinsen häufig besser umgehen als hoch verschuldete Unternehmen.

Anleihen werden wieder interessanter

Für Anleger haben die höheren Zinsen auch einen Vorteil.

Mit Anleihen lassen sich inzwischen wieder höhere laufende Erträge erzielen als während der langen Niedrigzinsphase.

Aber auch Anleihen sind nicht automatisch sicher.

Anleger sollten beispielsweise darauf achten, wer die Anleihe herausgibt, wie lange sie läuft und wie wahrscheinlich es ist, dass der Schuldner Zinsen und Kapital tatsächlich zurückzahlen kann.

Außerdem können Anleihen während ihrer Laufzeit deutlich an Wert verlieren.

Wie weit können die Zinsen noch steigen?

Darauf gibt es keine verlässliche Antwort.

Viel hängt davon ab, wie sich die Inflation, die Energiepreise und die Staatsverschuldung entwickeln. Auch die Entscheidungen der großen Notenbanken spielen eine wichtige Rolle.

Niemand kann deshalb zuverlässig sagen, ob die Zinsen ihren höchsten Punkt bereits erreicht haben oder noch weiter steigen.

Für Anleger bedeutet das: Nicht in Panik geraten und Risiken möglichst verteilen.

Wer sein gesamtes Geld nur in wenige Aktien oder sehr lang laufende Anleihen steckt, kann von starken Kursbewegungen besonders getroffen werden.

Die wichtigste Entwicklung hinter den derzeitigen Turbulenzen lässt sich einfach zusammenfassen: Geld leihen ist wieder deutlich teurer geworden.

Das bekommen Staaten, Unternehmen und Verbraucher zu spüren. Und genau deshalb schauen die Börsen derzeit so genau auf die Entwicklung der Zinsen.

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