Vorsicht bei unerwarteten Anrufen von Tradern oder Brokern!

Das Landgericht Marburg hat den Viersener Jochen Mühlen, den Neussener Georg Stolz und den Lübecker Stefan Metterhausen wegen banden- und gewerbsmäßigen Betruges in mehreren Fällen zu Gesamtfreiheitsstrafe von bis zu sechs Jahren und drei Monaten verurteilt. Unter Vorspiegelung, professionelle Aktientrader zu sein, haben diese über ein Callcenter zahlreiche Personen dazu gebracht, fingierte Aktien zu kaufen. Das eingenommene Geld investierten sie größtenteils in Gold und Edelsteine.

Daher hier unser Hinweis: Sollten Sie einen unerwarteten Anruf erhalten von einem angeblichen Broker oder Trader, seien Sie sehr skeptisch! Lassen Sie sich Informationen über die Firma geben, von der Sie den Anruf erhalten, und recherchieren Sie im Internet danach. Im Zweifelsfall wenden Sie sich an die Verbraucherzentralen oder, wenn begründeter Verdacht besteht, direkt an die Polizei. Im Folgenden können Sie die originale Fallschilderung nachlesen:

„Der Beschuldigte Mühlen richtete im Zeitraum von Juni 2014 bis Februar 2016 gemeinsam mit den Beschuldigten Stolz, Platte und mindestens 3 weiteren noch nicht identifizierten Tätern (alias u.A. Jenez Novak, Marko Nikolic, Peter Schäffler, Martin Hofmann und Aron Mandel) ein Callcenter mit dem Ziel ein, von dort aus in der gesamten Bundesrepublik Deutschland Personen anzurufen und tatsächlich nicht existente Aktien der Firmen Gilead Sciences, Roche, Apple Inc, Google, Alphabet Inc, Tesla Motors Inc, Lynn Energy zum Verkauf anzubieten. Zu diesem Zweck errichteten die Beschuldigten Mühlen, Stolz, Platte und mindestens 3 weitere bislang namentlich noch nicht bekannten Täter (alias u.A. Jenez Novak, Marko Nikolic, Peter Schäffler, Martin Hofmann und Aron Mandel) die Firmen Russel & Partner Trust Financial Management Inc mit Sitz in Miami Florida, JCN Trade GmbH mit Sitz in Köln und Maxx Fair Trade GmbH mit Sitz in Bremen. Für die Firmen JCN Trade und MAXX Fair Trade wurden anschließend Bankkonten u.A. bei den Banken Commerzbank, Deutsche Postbank, PayCenter GmbH, Sparkasse Bremen, Volksbank Bremen und Fidor Bank errichtet und eine professionell gestaltete Homepage für die Firmen Russel & Partner und Maxx Fair Trade eingerichtet, in der die Firmen als professionelle Finanzdienstleister präsentiert wurden.
Aufgrund der überzeugenden Verkaufsgespräche der bislang noch nicht identifizierten Täter (mindestens 3 unterschiedliche Personen) und der professionell gestalteten Internetauftritte der Firmen Russel & Partner und Maxx Fair Trade, waren eine Vielzahl der unaufgefordert angerufenen Personen der Überzeugung, dass Ihnen von einem professionellen Finanzdienstleister tatsächlich existente Aktien angeboten worden waren. Aufgrund dieses Irrtums haben mindestens 200 Personen Aktien gezeichnet und den jeweiligen Kaufpreis (zwischen 3.000,- Euro und 290.000,- Euro) auf das von den Beschuldigten jeweils mitgeteilte Konto überwiesen. Nachdem die Konten der Maxx Fair Trade Mitte Februar von den Banken aufgrund eines Ersuchens der Staatsanwaltschaft Marburg gesperrt worden sind, wurden die getäuschten Opfer angewiesen, das Geld auf Konten des tatsächlich nicht existenten Moritz Fickenscher u.A. bei der GLS Bank zu überweisen.
Die eingegangenen Gutschriften wurden entweder in Bar abgehoben oder – der weitaus größte Teil – für den Kauf von Edelmetallen (v.A. Goldmünzen und Goldbarren) bei den Edelmetallhändlern Ex Oriente Lux AG, Gesellschaft für Münzeditionen mbH, Ophirum Commodity GmbH, ESG Edelmetall-Handel GmbH & Co. KG, Degussa Goldhandel, Mond Goldhandel GmbH, BM Edelmetalle, Westgold GmbH und Co KG, Goldkontor Hamburg GmbH, Alfa KG, CoinInvest GmbH, Münzen Müller, Gold-Börse.com, pro aurum KG, GoldSilberShop.de GmbH, Auragentum GmbH, Exchange AG Deutschland, Silber CORNER GmbH & Co KG eingesetzt. Die Edelmetalle wurden über Internet bestellt und an diverse Briefkastenfirmen in der Bundesrepublik ausgeliefert und dort von noch nicht identifizierten Mittätern abgeholt.
Die Geschädigten erhielten nach der Zahlung entweder überhaupt keine Rückmeldung mehr oder wurden anschließend nochmals zwecks Ankaufs weiterer Aktien kontaktiert. Einige Geschädigte der Firma JCN Trade wurden auch im Jahr 2016 – diesmal unter Verwendung des Firmennamens Maxx Fair Trade erneut angerufen.
Vermeintlicher Geschäftsführer der JCN Trade GmbH ist Jenez Novak. Bei dem zwecks Gesellschaftsgründung und Kontoeröffnung vorgelegten slowenischen Reisepass des Novak handelt es sich um eine Totalfälschung. Auch bei dem vermeintlichen Geschäftsführer der Maxx Fair Trade, Marko Nikolic, handelt es sich ausweislich polizeilicher Ermittlungen um eine tatsächlich nicht existente Person.
Es besteht aufgrund der polizeilichen Ermittlungen der Kriminaldirektion Gießen der Tatverdacht, dass die Tatbeiträge des Beschuldigten die Gesamtorganisation der Errichtung und Instandhaltung des Callcenters, die Auf- und Abschaltung sowie Umleitung der ausländischen Callcenternummern, sowie auch das Abheben von Bargeld von den Konten der JCN Trade und Maxx Fair Trade und das Abholen des bestellten Goldes (Goldmünzen und Goldbarren) beinhalten.“

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